Philharmonie: Selbstversuch im „Shadowland 2“ – Harte Arbeit, spannende Effekte

Unsere Autorin durfte im Team der Inszenierung „Shadowland 2“ mitmachen.

Elefanten, Schmetterlinge, Raketen huschen über die Leinwand. Sie verwandeln sich in andere Gegenstände und Tiere, um so eine Geschichte zu erzählen – eine Geschichte von Liebe, Gefahr und Hoffnung. Doch es ist kein Film, der in der Philharmonie gezeigt wird, sondern eine Show aus Schatten, die von acht Artisten auf die Bühne gebracht wird.

Die amerikanische Tanzkompanie Pilobolus aus Connecticut gastiert derzeit im Rahmen des Kölner Sommerfestivals mit ihrer Inszenierung „Shadowland 2 – Das neue Abenteuer“ in der Philharmonie. Und was während der Show so leicht und unbeschwert aussieht, ist in Wahrheit harte Arbeit, perfektes Timing und akrobatische Höchstleistung – und das durfte ich am eigenen Leib erfahren.

Ein Blick hinter die Leinwände 

Fünf Stunden vor der Show am Abend, nehmen mich die beiden Tänzer Ariana Nakamine und Justin Norris sowie Renée Jaworski, künstlerische Leiterin von „Shadowland“, in der Philharmonie in Empfang. Sie wollen mir einen Blick hinter die Kulissen, hinter eine der weißen Leinenwände, geben und zeigen, wie sie die Schattenwelt zum Leben erwecken.

Das Einzige, was ich bis dahin mit Schattenspiel zu tun hatte, liegt schon viele Jahre zurück: Im Kinderzimmer habe ich gemeinsam mit meiner Schwester mehr oder weniger erfolgreich versucht, verschiedene Tiere mit den Händen zu formen. Das Schattenspiel in der Show ist im Vergleich dazu eine absolut andere Dimension.

„Zieh Sportklamotten an, möglichst körperbetont, und dann treffen wir uns auf der Bühne“, fordert Jaworski mich auf. Gesagt, getan. Einige Minuten später betrete ich die Bühne. Der Blick in die Zuschauerränge ist beeindruckend. Wobei ich sehr froh bin, dass die Philharmonie noch leer ist und mir bei meinen Schatten-Versuchen niemand zuschauen wird.

Die Körper und mehr als 300 Requisiten erzeugen die Schatten

Dann geht es los: Die drei geben eine kurze Einweisung, zeigen mir Berge von Requisiten – mehr als 300 Vorlagen aus Pappe werden in der Show in Sekundenschnelle benutzt – und schalten dann den Hauptscheinwerfer an, mit dessen Hilfe die Schatten erzeugt werden. In der Show kommen dann noch zwei kleinere Scheinwerfer und Taschenlampen hinzu.

Zuerst formen wir zu viert einen Elefanten – nicht nur mit den Händen, sondern mit dem kompletten Körper. Mithilfe von unterschiedlich geschnittenen T-Shirts, die sich die drei über den Kopf ziehen, nimmt der Körper Gestalt an. „Du wirst der Schwanz sein“, sagt Nakamine und ich gucke sie fragend an. Mit genauen Anweisungen nehme ich den vorgesehenen Platz ein und strecke meinen Arm aus. Nun bewegt sich der Schattenelefant auf der Leinwand. Wedelt mit dem Schwanz und hebt seinen Rüssel. Das war einfach, denke ich mir. Doch zu früh gefreut.

Als nächstes soll ich mich in einen Vogel Strauß verwandeln. Nakamine gibt mir eine runde Pappe, die am Rand mit Federn beklebt ist. Diese halte ich mit meiner linken Hand hinter mich. Meine Beine stelle ich schulterbreit auseinander, durchgestreckt, und mit dem Kopf beuge ich mich nach vorne. Der Schatten der Pappe verschluckt so den Schatten meines Körpers. Dann strecke ich den rechten Arm nach oben aus und forme mit meinen Fingern den Kopf des Vogels.

Im Team sind nur durchtrainierte Leute 

Nicht nur, dass man dabei auf viele Dinge gleichzeitig achten muss: Zudem muss man alle Muskeln des Körpers anspannen – ebenfalls gleichzeitig. „Beim Schattenspiel lernt man Muskeln kennen, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie überhaupt hat“, sagt Norris und lacht. Nicht ohne Grund haben alle Drei beeindruckend durchtrainierte Körper. „Wir haben im Team Schauspieler, Tänzer, Artisten und sogar Martial-Arts-Kämpfer . Also nur Leute, die einen sportlichen Hintergrund haben und körperlich fit sind“, erklärt Jaworski.

Und wir sind noch lange nicht fertig: Als Schatten reisen wir ins Weltall, trinken mit Requisiten Cocktails an einer Bar und bauen den Kölner Dom. Alles ist möglich im Reich der Schatten. Doch das, was die Drei mir mit viel Ruhe zeigen, muss abends in der Show binnen Sekunden passieren. Jede Bewegung, sogar die in den Fingerspitzen, muss perfekt sitzen. Das Ergebnis ist voller Leichtigkeit und Spaß – doch dahinter steckt harte Arbeit.

„Shadowland 2“ ist bis Sonntag, 6. August, in der Philharmonie zu sehen: Am Donnerstag und Freitag um 20 Uhr, Samstag um 15 und 20 Uhr und Sonntag um 14 und 19 Uhr....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta