Der Chef der Pharmafirma Emergent, die 15 Millionen Impfdosen ruinierte, verkaufte Aktien bevor der Kurs einbrach

Sarah Al-Arshani
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Das US-amerikanische Biopharma-Unternehmen Emergent BioSolutions produziert in den USA Impfstoffe für AstraZeneca und Johnson & Johnson. Im vergangenen Monat wurde bekannt, dass die Produktionsstätte in Maryland rund 15 Millionen Impfstoffdosen aufgrund fehlerhafte Zusammensetzungen der Inhaltsstoffe ruinierte. Die Washington Post berichtete, dass der CEO des Pharmaunternehmens, Robert Kramer, Aktien im Wert von über acht Millionen Euro verkaufe, bevor der Aktienkurs drastisch sank.

Robert Kramer verkaufte im Januar und Anfang Februar die Aktien — unmittelbar bevor der Wert der Aktien am 19. Februar nach dem öffentlichen Finanzbericht des Unternehmens fiel. Seit der Veröffentlichung ist der Preis pro Aktie von 103 Euro auf 52 Euro gefallen. Das entspricht einem Rückgang von knapp 50 Prozent. Die Aktien, die Kramer verkaufte, wären jetzt etwa die Hälfte — 4,5 Millionen Euro — wert. Der Verkauf der Aktien von Kramer war der erste seit 2016.

Dem Bericht zufolge machte der CEO seinen aktuellen Verkauf wegen des Vergütungspakets, das ihm das Unternehmen gab. Er war in der Lage, die Aktien für etwa zwei Millionen Euro zu kaufen und sie anschließend zum Marktpreis wieder zu verkaufen. Der Verkauf war Teil eines Handelsplans vom November, berichtete die Washington Post. Diese Pläne würden im Voraus gemacht, heißt es, um Mitglieder des Unternehmens davor zu schützen, des Insiderhandels beschuldigt zu werden.

15 Millionen unbrauchbare Impfstoffdosen

Am 31. März wurde berichtet, dass Emergent etwa 15 Millionen Impfstoffdosen ruiniert hätte. Der Grund dafür seien fehlerhafte Zusammensetzungen der Inhaltsstoffe durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Neben dem hauptsächlich in den USA verwendeten Impfstoff Johnson & Johnson wurde in der Produktionsstätte in Maryland auch der AstraZeneca-Impfstoff hergestellt. Nach der Bekanntgabe der unbrauchbaren Dosen stürzten die Aktien des Unternehmens um bis zu 14,5 Prozent.

Einige Demokraten im Repräsentantenhaus hatten vor kurzem eine Untersuchung des Konzerns eingeleitet. Es sollte festgestellt werden, ob das Unternehmen überhaupt einen bundesstaatlichen Vertrag für die Herstellung der Impfstoffdosen besaß. Der Nachrichtensender CNBC berichtete, dass eine Verbindung zu einem Beamten der ehemaligen Trump-Administration Zweifel diesbezüglich haben aufkommen lassen.

Emergent reagierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage von Business Insider. Die Sprecherin des Pharmaunternehmens, Nina DeLorenzo, sagte allerdings der Washington Post gegenüber: „Herr Kramer, unser Führungsteam und unser Vorstand halten sich an die höchsten ethischen Standards. Sie halten sich strikt an alle Gesetze und Vorschriften, die Finanztransaktionen regeln. Jegliche Unterstellung eines Fehlverhaltens ist ohne Beweise oder Grundlage.“

Bereits seit April 2020 war das Unternehmen immer wieder mit Problemen konfrontiert. Die Food and Drug Administration stellte im April des vergangenen Jahres einige Verstöße fest, darunter die Nichteinhaltung von Testverfahren in der Fabrik in Baltimore, wie die Washington Post schrieb. Ein Bericht der New York Times von Anfang April enthüllte, dass eine Charge des Impfstoffes von AstraZeneca im Oktober 2020 wegen vermuteter Verunreinigung verworfen wurde. Im folgenden Monat wurde ebenfalls eine Ladung des Johnson & Johnson Impfstoffes verworfen, weil Mitarbeitende die Dosen fehlerhaft zusammenstellten.

Die Post berichtete ebenfalls, dass das Unternehmen im Juli 2020 von einer Firma auf knapp 16 Millionen Euro verklagt wurde. Die Firma hatte Emergent gebeten, einen von ihr entwickelten Rizin-Impfstoff für eine experimentelle Studie herzustellen. Nachdem Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Studie den Impfstoff bereits erhalten hatten, stellte sich heraus, dass Emergent Inhaltsstoffe verwendete, die nicht den Vorgaben entsprachen.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.