Phänomen “Revenge-Shopping”: Warum Verbraucher mehr Geld ausgeben wollen und welche Rolle der Impfstatus dabei spielt

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Keine geringere als Anna Vintour, die Chefredakteurin der US-Vogue, prophezeite bereits im April, dass der Bedarf der Konsumenten an Luxusgütern und Reisen nach dem Lockdown stark ansteigen wird. Diesen Nachholbedarf, der durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie entstanden ist, nennen internationale Handels-Experten "Revenge-Shopping". Insbesondere in den USA wird dieser Trend derzeit beobachtet, doch er scheint auch nach Deutschland herüberzuschwappen.

„Revenge-Shopping, also der nachgeholte Konsum, ist auf jeden Fall auch in Deutschland ein Thema“, sagt Petra Süptitz, Director Marketing & Consumer Intelligence bei dem Marktforschungsunternehmen GfK im Gespräch mit Business Insider. Daten einer aktuellen GfK-Umfrage unter 1.000 Verbrauchern sowie des GfK Covid-19 Barometers zeigen, dass die deutschen Konsumenten 2020 nachholen wollen und dieses Jahr mehr Geld vor allem für Freizeit und Außer-Haus-Aktivitäten ausgeben wollen. „Wir beobachten, dass die Konsumenten derzeit planen, wieder mehr Geld auszugeben für Dinge, auf die sie Monate lang verzichten mussten", sagt Süptitz. Die GfK-Daten zeigen, dass vor allem Konsumenten unter 30 Jahren Mehrausgaben für Gastronomie, Reisen, Veranstaltungen, Bekleidung sowie Beauty, Fitness und Wellness planen. Im Modebereich werde insbesondere mehr für Ausgeh- oder Geschäftskleidung ausgegeben, so Süptitz. Der GfK Nonfood-Wochenradar zeige, dass die Ausgaben für Mode zwar noch unter dem Niveau von 2019 und 2020 liegen, sich aber langsam und kontinuierlich an das Niveau von 2019 annähern. „Bei technischen Gütern halten sich die Konsumenten aber eher zurück, weil sie sich bereits während des Lockdowns damit eingedeckt haben“, so Süptitz.

Deutsche wollen mehr Geld für Reisen und Gastronomieerlebnisse ausgeben

Während sich in den USA Verbraucher nach dem Lockdown eher Luxusgegenstände wie Uhren oder Schmuck als Nachhol-Akt kaufen, können die GfK-Konsumforscher in diesem Segment keine erhöhte Kaufabsicht beobachten. „Für die Deutschen wird Luxus immer immaterieller, Zeit und Erlebnisse sind den Verbrauchern insbesondere in der Corona-Krise wichtiger geworden als Statussymbole“, so Süptitz.

Martin Fassnacht, Inhaber des Lehrstuhls für Strategie & Marketing an der WHU – Otto Beisheim School of Management, sieht den Trend Revenge-Shopping in den USA derzeit bereits stärker ausgeprägt als in Deutschland. „In den USA wurden die Konsumenten schneller geimpft, deshalb erholt sich dort nun auch die Konsumwirtschaft schneller“, so Fassnacht.

Kaufbereitschaft hängt mit Impfstatus zusammen

Wer anfälliger für Revenge-Shopping ist, und wer nicht, scheint auch laut den GfK-Daten mit dem Impf-Status von Verbrauchern zu tun zu haben. "Wir sehen einen klaren Zusammenhang zwischen Impfstatus und Kaufbereitschaft: Geimpfte holen verpasste Einkaufschancen vor allem bei Kleidung, in der Gastronomie, bei Veranstaltungen und Reisen mehr nach als Nicht-Geimpfte", sagt Süptitz.

US-Experten prophezeien ebenfalls, dass Konsumenten auch in diesem Zeitraum eine höhere Preisbereitschaft aufzeigen werden. "Tendenziell werden Konsumenten auch kurzfristig bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen, aber nur für besondere Luxusprodukte, die sie sich unbedingt leisten wollen, nicht für alltägliche Waren“, sagt Fassnacht.

Wie lange das Revenge-Shopping anhalten wird, sei schwer zu prognostizieren, so Süptitz, da dies auch von der Weiterentwicklung des Pandemiegeschehens abhänge. Jedoch vermutet die Expertin, dass der Trend nur kurzfristig bestehen werde. Diese Einschätzung teilt auch Fassnacht: “Natürlich haben die deutschen Verbraucher jetzt für ein paar Monate das Bedürfnis, verpasste Shopping-Gelegenheiten aufzuholen, aber ich bin skeptisch, dass diese Entwicklung dauerhaft anhalten wird.“

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