Peter Thiel war einer der ersten Facebook-Investoren. Nun zieht sich der deutschstämmige Milliardär offenbar aus der Tech-Szene zurück.


Einer der bekanntesten Konservativen in der Tech-Szene zieht sich laut einem Bericht aus dem Silicon Valley zurück. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, will Peter Thiel seinen Wohnsitz und seine persönlichen Investmentfirmen von San Francisco nach Los Angeles verlagern. Dort besitzt der Investor bereits ein 650 Quadratmeter großes Haus mit Blick auf den Sunset Strip. Auch die Hauptquartiere der Investmentfirmen Thiel Capital und Thiel Foundation werde der 50-Jährige in die neue Heimat verlagern, schreibt die Zeitung.

Er wolle außerdem sein Engagement in der Techbranche zurückfahren und überlege, sein Mandat als Aufsichtsrat bei Facebook aufzugeben, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Vertraute des Tech-Milliardärs. Der in Deutschland geborene Peter Thiel gründete zusammen mit Elon Musk und Max Levchin den Bezahldienst Paypal. Später zählte er zu den ersten Investoren von Facebook.

Der Abschied kommt nicht unerwartet. Thiels offenes Werben für die Politik von Präsident Donald Trump verprellte die traditionell liberale, demokratische Technologiebranche. Vergangenen Sommer führten die politische Aktivitäten fast zum Bruch mit Facebook-Chef Mark Zuckerberg, in dessen Aufsichtsrat Thiel seit 2015 sitzt.


Auch der 10 Millionen Dollar schwere private Rachefeldzug gegen das Klatsch-Blog Gawker, das Thiels Anwälte in den Ruin trieben, kam bei den Tech-Visionären schlecht an, die viel auf die Meinungsfreiheit geben. Das Portal berichtete 2007 gegen den Willen des Investors über dessen Homosexualität.

Thiel scheint sich in der Rolle des Provokateurs und Außenseiters zu gefallen. „Wo alle einer Meinung sind, lohnt sich das Engagement nicht“, lautet sein persönliches Motto. Den selbstverliebten Tech-Bossen wirft er gern vor, mit ihrem Gerede von der Weltverbesserung wenig Fortschritt erreicht zu haben. Doch die erzkonservative Haltung isolierte Thiel zuletzt immer stärker. Für sein politisches Engagement habe er “viel Gegenwind” erhalten, erklärte er selbst.

Der Rückzug des Provokateurs dürfte vielen Kritikern gelegen kommen. Doch mit Thiel verliert die Branche auch einen wichtigen Vermittler. Der Unternehmer gilt als enger Verbündeter der US-Regierung, zwischenzeitlich wurde er sogar als neuer US-Botschafter für Berlin gehandelt. Angesichts der immer schärferen Kritik aus Washington an den Tech-Giganten Apple, Alphabet und Facebook und drohenden Regulierungen, könnte sich sein Abschied auf lange Sicht als strategischer Nachteil für Silicon Valley erweisen.