Peter Terium muss gehen

Der Energiekonzern Innogy trennt sich völlig überraschend von seinem Vorstandschef Peter Terium. Vor einer Woche hat der Niederländer mit einer Gewinnwarnung die Anleger geschockt – und die Aktie in den Keller geschickt.


Die Nachricht kam am Dienstagabend völlig überraschend: Innogy-Chef Peter Terium scheide aus dem Vorstand aus, teilte das Unternehmen mit. Zwar „im freundschaftlichen Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“, aber auch „mit sofortiger Wirkung“. Einen Nachfolger gibt es nicht. Vorübergehend wird Personalvorstand Uwe Tigges den Vorstandsvorsitz übernehmen.

Die Aktie von Innogy reagierte bereits im nachbörslichen Handel am Dienstagabend mit leichten Kursaufschlägen. Das Papier kletterte um etwa 50 Cent auf 33,25 Euro beim Broker Lang & Schwarz. Damit erreichte die Aktie in etwa das Niveau des Vortags. Am Mittwochmorgen setzten die Innogy-Papiere ihren Erholungsversuch fort. Die MDax-Aktie kletterte im frühen Handel um etwa ein Prozent. Für die Titel des Mutterkonzerns RWE ging es im Dax in ähnlichem Rahmen nach oben.

Tatsächlich dürfte die Trennung aber nicht wirklich einvernehmlich gewesen sein. Der Aufsichtsrat begrüße grundsätzlich die vom Vorstand verfolgte Unternehmens- und Finanzstrategie, sehe „aber die Notwendigkeit eines höheren Stellenwertes der Kostendisziplin und einer fokussierten Wachstums- und Investitionsstrategie“, hieß es in der Mitteilung weiter.

Letztlich dürfte dem Niederländer Terium die Gewinnwarnung zum Verhängnis geworden sein, die er vor einer Woche abgeben musste – und vor allem die heftige Kursreaktion darauf. Seither war nicht nur die Innogy-Aktie selbst im freien Fall, sondern auch die des Mutterkonzerns RWE.

Terium hatte nicht nur die Prognose für das laufende Jahr leicht abgesenkt, sondern auch für 2018 einen verhaltenen Ausblick abgegeben. Das lag zum einen an anhaltenden Schwierigkeiten im britischen Vertriebsgeschäft. Zum anderen aber wollte Terium bewusst die Investitionen zu Lasten des Gewinns erhöhen.


Dabei war es vordergründig eine eher unwesentliche Korrektur der Prognose: Für 2017 rechnet das Unternehmen beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) jetzt noch mit 2,8 Milliarden Euro, das sind lediglich 100 Millionen Euro weniger als bisher. Allerdings rechnet die RWE-Tochter für 2018 mit einem weiteren Rückgang um 100 Millionen auf 2,7 Milliarden Euro. Auch das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis wird dann vermutlich um 100 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro sinken. Daran bemisst Innogy die Dividende.

Damit werden die Ergebnisse des Unternehmens auch im dritten Jahr seit der Gründung stagnieren. Terium hatte als RWE-Chef Innogy im Frühjahr 2016 gegründet und im Oktober an die Börse gebracht. Das neue Unternehmen übernahm das Geschäft mit der Energiewende und soll mit den Sparten Erneuerbare Energien, Vertrieb und Netz eigentlich neue Wachstumschancen erschließen. Terium selbst übernahm die Leitung des neuen Unternehmens und überließ die Führung von RWE seinem bisherigen Vizechef Rolf Martin Schmitz.

Terium versuchte zwar die Anleger zu beruhigen. Er verwies auf die Investitionen, die Innogy für das kommende Jahr geplant hat. Im Vergleich zum laufenden Jahr sollen diese um mindestens 25 Prozent auf mehr als drei Milliarden Euro steigen. „Hohe Wachstumsambitionen haben kurzfristig ihren Preis, zahlen sich aber langfristig aus“, sagte Terium.

Den Aufsichtsrat konnte er damit aber offenbar nicht überzeugen. Die Trennung war so kurzfristig, dass sie sogar noch von Werner Brandt vollzogen wurde. Der Aufsichtsratschef ist selbst auf dem Absprung. Er verlässt das Gremium Anfang kommenden Jahres und zieht stattdessen in den Aufsichtsrat von Siemens ein. Brandt dankte Terium: „Unter seiner Führung hat die RWE AG, die Muttergesellschaft von Innogy, die richtige Antwort auf die deutsche Energiewende gefunden.“

Terium war seit 2003 in verschiedenen Positionen der RWE AG tätig, zunächst als Leiter des Konzerncontrollings, später als Vorstandsvorsitzender verschiedener Tochterfirmen. Im Juli 2012 wurde er RWE-Chef. Im April 2016 übernahm Terium zusätzlich den Vorstandsvorsitz von Innogy. Nach dem Börsengang im Oktober beschränkte er sich auf diese Funktion.