Peter Bosz sieht Fortschritte bei Borussia Dortmund

Urspünglich wollte der BVB-Coach Ajax Amsterdam gar nicht verlassen. Doch dann entwickelten sich die Dinge in eine andere Richtung.

Als Peter Bosz zu Rückkehrer Mario Götze befragt wurde, geriet der neue Trainer von Borussia Dortmund ins Schwärmen. "Als Fußballliebhaber macht es Spaß ihm zuzusehen. Er ist wirklich ein sehr guter Spieler. da es theoretisch sein kann, dass er nochmal einen Rückfall erleidet. Bis jetzt geht alles wirklich sehr gut. Er hat erst 30 Minuten gespielt, dann zwei Mal 45 Minuten und am Dienstag gegen Bergamo wird er auch wieder Minuten bekommen", sagte Bosz in Bad Ragaz über den WM-Helden, der wegen einer Stoffwechselstörung erst Anfang Juli wieder ins Training zurückgekehrt war.

Götzes langsame Heranführung an die Mannschaft ist symbolisch für die Vorbereitung des DFB-Pokalsiegers. Sie verläuft vielversprechend, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Ähnlich verhält es sich mit der Umstellung auf das 4-3-3-System. Parallelen zu den Anfangsschwierigkeiten bei seinen bisherigen Trainerstationen Tel Aviv und Amsterdam erkennt er indes nicht: "Es ist schwer, das zu vergleichen. Man hat überall andere Spieler. In Tel Aviv ging es schnell, bei Ajax hat es länger gedauert. Die Spieler, die hier von Anfang an dabei waren, machen schneller Fortschritte, weil sie es mittlerweile schneller und besser verstehen. Bei den Jungs, die erst später hinzukamen und erst seit einer Woche mittrainieren, müssen wir noch einige Besprechungen ansetzen."

Erster Härtetest am Samstag

Bosz zog dennoch ein positives Fazit des Trainingslagers in der Schweiz. "Die Verhältnisse hier sind super. Der Platz ist ideal, das Hotel und das Essen auch. Wir konnten gut arbeiten, um unsere Spielweise zu verinnerlichen. Die Kondition ist jeden Tag besser geworden. Wir machen Fortschritte.", sagte der 53-Jährige, der aber auch um Geduld bat: "Nach all den Jahren ist meine Erfahrung eben die, dass das nach zwei, drei Wochen kaum möglich ist. Ich sehe aber, dass die Spieler Schritte machen - jedes Mal, wenn wir trainieren oder miteinander reden, machen wir es besser. Auch in den Spielen."

Den ersten richtigen Härtetest gibt es am Samstag (20.30 Uhr im LIVETICKER) im Supercup gegen Meister Bayern München. "Das ist mir wichtig. Es ist ein Titel und man muss versuchen, den zu gewinnen", sagte Bosz.

Auch über die Situation auf der Innenverteidigerposition äußerte er sich. Hier werde es einen offenen Konkurrenzkampf geben: "Es ist niemand gesetzt. Wir haben noch Neven Subotic und Dan-Axel Zagadou, der ein sehr junger Spieler ist und aktuell auf der linken Seite aushelfen muss. Für Zagadou ist es wichtig, dass er Minuten macht, aber seine Position ist nicht die des Linksverteidigers. Er ist ein Innenverteidiger, so dass wir da mehrere Möglichkeiten haben."

Ein großer Gewinner der Vorbereitung ist Nuri Sahin. In vier der bislang fünf Testspiele gehörte der türkische Nationalspieler zur Startformation. Unter der Regie von Ex-Trainer Thomas Tuchel stand er häufig gar nicht erst im Kader. Bei Bosz scheint er derzeit gesetzt, wohl auch wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Nationalspieler Julian Weigl. "Er ist ein intelligenter Spieler. Auf seiner Position muss er verstehen, was wir von ihm erwarten", so Bosz über den 28-jährigen Sahin.

Weigl und Schmelzer im Lauftraining

Die Personallage entspannt sich zudem. Weigl und Kapitän Marcel Schmelzer kehrten in Bad Ragaz ins Lauftraining zurück. Nach seinem Außenbandriss könnte es für Schmelzer schon zum Saisonstart in knapp drei Wochen in Wolfsburg reichen. "Ich hatte diese Probleme mit dem Sprunggelenk früher auch oft selbst. Da muss man einfach Geduld haben. Er ist hier wieder ins Lauftraining eingestiegen, das macht Hoffnung. Normalerweise muss man sechs Wochen Trainingspause einlegen. Vielleicht geht es bei ihm etwas schneller. Wir schauen uns das von Tag zu Tag an", so Bosz. Weigl will nach der Länderspielpause Anfang September wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Dann hätte er erst zwei Spieltage verpasst.

Am Dienstag endet das Trainingslager mit dem sechsten und letzten Test gegen den italienischen Europa-League-Starter Atalanta Bergamo im österreichischen Altach (19.30 Uhr). Direkt im Anschluss an die Partie fliegt die Mannschaft nach Dortmund zurück.