Peter Bergers satirischer Wochenrückblick: Von Müll-Häusern und Dauerbaustellen

Die wahre „Casa Utopia“ steht am Offenbachplatz.

Ist das Kunst, oder kann das weg? Diese Frage stellen sich die Kehrmännchen mit ihren Wechsel-Ausstellungen in der Auffahrt zum Butzweilerhof erst gar nicht. Ihr Müll-Beirat handelt nach dem Motto: Erst ist es Kunst – und dann kann es weg.

Provokationen sind bei diesem Kunst-Verständnis unmöglich, es sei denn, irgendein Müll-Banause kommt auf die Idee, ein Happening zu veranstalten, den alten Röhren-Fernseher statt in den Container für Elektroschrott mit Schwung in den allgemeinen Sperrmüll zu feuern und so bei seinem Publikum eine Art Schockwirkung zu verursachen.

Am Butzweilerhof funktioniert das prima. Die Kehrmännchen, allesamt wahre Meister der Trennkunst, flippen sofort aus, und es hat durchaus etwas Surrealistisches, wenn sie in den Container hüpfen, um das Röhrengerät im letzten Moment vor der Walze zu retten.

Künstliche Aufregung

Bei HA Schult flippt keiner mehr aus. Nur der Kunstbeirat regt sich noch künstlich auf über das Trash-Haus, das der kölsche Aktionskünstler ans Deutzer Rheinufer gestellt hat, Fassade und Zimmer aus Müll – gefunden an Europas Stränden. Diese Casa Utopia ist ungefähr so originell und provokant wie eine Nackt-Demo auf einem FKK-Gelände.

Da hatte ja selbst der wackere Betriebsleiter der Städtischen Bühnen in dieser Woche mehr Aktionskunst zu bieten, als er im Opernhaus voller Stolz die neue Bühnentechnik in Gang setzte. Zwei gegeneinander drehende Scheiben und fünf Podeste, die wie von Geisterhand aus dem Boden fahren und zu einer Treppe werden. Das ist mal eine Inszenierung.

Die wahre Casa Utopia steht am Offenbachplatz

Sechs Jahre vor der Eröffnung alles schon fertig – in einem unbespielbaren Haus. Die wahre Casa Utopia steht am Offenbachplatz. Mit so viel Schrott wäre selbst HA Schult hoffnungslos überfordert.

Aber vielleicht haben wir seine neue Art der Provokation einfach nicht richtig verstanden. Die Kölner, glaubt Schult zu wissen, werden seine Casa Colonia genauso lieben wie seine Weltkugel und das Flügelauto. Bitte nicht! Das ist keine Provokation, das ist eine Kriegserklärung. So schlimm kann die Wohnungsnot gar nicht sein, dass aus dem Müll-Hotel ein Dauerzustand wird.

Müll-Tüte am Hauptbahnhof

Außerdem haben wir doch die Müll-Tüte am Hauptbahnhof, jenes Mahnmal für die Beständigkeit blauer Plastikfolie. Wenn das so weitergeht mit dieser Art von Kunstwerken, muss die Müllabfuhr am Butzweilerhof einen Schult-Container aufstellen. Oder in Müllheim.

Schade, dass Schult die Nacht zum Freitag nicht in seinem Müll-Hotel verbracht hat. Er hätte am frühen Morgen Augenzeuge eines spontanen Happenings werden können. Zwei Jogger haben die fensterlose Bude mit dem Super-Blick auf den Rhein völlig verschwitzt besichtigt.

Drinnen zieht es wie Hechtsuppe, die Zimmer sind äußerst karg möbliert, und es riecht muffig. Ganz plötzlich haben sie sich in einem der Wohnräume auf den Boden geworfen. Warum? Weil die Läufer fehlen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta