Peruanische Schönheitsköniginnen sprechen sich offen gegen sexualisierte Gewalt aus

Die „Miss Peru“-Teilnehmerin Camila Canicoba (Quelle: Screenshot Youtube)

Statt wie gewohnt ihre Körpermaße anzugeben, zählten Teilnehmerinnen beim „Miss Peru“-Schönheitswettbewerb Statistiken über Gewalt gegen Frauen auf.

Bei einem peruanischen Schönheitswettbewerb haben die Teilnehmerinnen auf die Gewalt gegen Frauen im Land hingewiesen, die in den meisten Fällen unbestraft bleibt. Während der Show der Badeanzüge nannten die Kandidatinnen nicht wie gewohnt ihre Maße, sondern aktuelle Zahlen, die auf das Problem hinweisen.

„Mein Name ist Camila Canicoba und ich repräsentiere die Region Lima“, sagt eine Teilnehmerin ins Mikrofon, „meine Maße sind 2.202 gemeldete Mordfälle an Frauen innerhalb der letzten neun Jahre in meinem Land“, „Ich heiße Juana Acevedo“ eine andere, „und meine Maße sind: 70 Prozent der Frauen in unserem Land sind Opfer von sexueller Belästigung auf der Straße.“

Auch die Organisatioren des Schönheitswettbewerbs trugen ihren Teil zur starken Botschaft des Abends bei. Während die Kandidatinnen in Bikinis über die Bühne stolzierten wurden im Hintergrund Zeitungsausschnitte über Gewalttaten gegen Frauen eingeblendet. Am Ende der Veranstaltung, wenn den Anwärterinnen auf den Titel der Schönheitskönigin normalerweise überflächliche Fragen gestellt werden, durfte jede Kandidatin erklären, wie sie die Gesetze ändern würde, um Frauen besser zu schützen.

Mit der Aktion hat die feministische Bewegung in Peru einen neuen Höhepunkt erreicht. In Peru herrscht die traurige Praxis, Gewalt gegen Frauen lächerlich gering oder gar nicht zu bestrafen. Ein Fall brachte das Fass schließlich zum Überlaufen: In einem Video von 2016 ist der Peruaner Adriano Pozo zu sehen, wie er seine Freundin Cindy Arlette Contrera an den Haaren zieht, als diese versucht, vor ihm zu fliehen. Die Bewertung des Richters: Eine Bewährungsstrafe und  1500 Dollar  (knapp 1300 Euro) Geldstrafe.

Die starke und medienwirksame Aktion der Teilnehmerinnen des Schönheitswettbewerbs könnte auch weitere Frauen dazu bewegen, sich zu sexualisierter Gewalt zu äußern.