Personalnot & Mangel an Fluglotsen: Chef von Billigflieger Wizz Air warnt vor einem "schlimmen Sommer voller Verspätungen"

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Wizz Air-Chef József Váradi.
Wizz Air-Chef József Váradi.

Im Sommer könnte dem europäischen Luftverkehr ein Kollaps drohen, wenn die polnische Flugsicherung ihren Mangel an Fluglotsen nicht rechtzeitig in den Griff bekommt. Davor hat der Chef des ungarischen Billigfliegers Wizz Air, József Váradi, im Gespräch mit dem Luftfahrtjournalisten Rüdiger Kiani-Kreß von der "Wirtschaftswoche" gewarnt.

Vor einigen Wochen hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) auf mögliche Engpässe in den Lufträumen der deutschen Nachbarländer Frankreich und Polen hingewiesen. Einer der Gründe ist ein unerwarteter Engpass an Fluglotsen bei der polnischen zivilen Flugsicherung "Pansa".

Váradi sagte im Interview, er finde die Situation "lachhaft", denn: "Obwohl – oder gerade weil – das System in weiten Teilen staatlich-monopolistisch ist, sind die Preise hoch, ist die Qualität unzuverlässig, wird ständig irgendwo gestreikt."

Wizz-Air-Chef: "Keiner gibt weniger aus als wir, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen"

Er sehe für seine Airline keine Probleme, weil zwei Drittel der Wizz Air-Flüge an kleineren Flughäfen starte. Demnach soll Wizz Air von dem drohenden Personalengpass an der Sicherheitskontrolle und der Flugzeugabfertigung nicht betroffen sein. Daher sieht Váradi auch sein geplantes Wachstum nicht bedroht. Wizz Air will im Sommer sogar schon 40 Prozent mehr Flüge anbieten als noch vor der Corona-Pandemie.

Wizz Air-Chef József Váradi.
Wizz Air-Chef József Váradi.

Bis 2030 will Váradi mit Wizz Air mit rund 500 Flugzeugen fliegen – und wäre damit nach Flottengröße gerechnet Europas Nummer Zwei hinter Ryanair. Das will Wizz Air laut Váradi schaffen, indem das Unternehmen neue Märkte erschließt, in die sich andere nicht trauen. Als Beispiel nennt Váradi Albanien und Abu Dhabi. "Keiner gibt weniger aus als wir, um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen", erklärt Váradi im Interview.

Die Tickets des Billigfliegers Wizz Air sollen "etwas teurer" werden

Angesprochen auf die Niedriglohn-Vorwürfe von Gewerkschaften sagt der Wizz-Air-Chef, er zahle "in jedem Land Marktpreise und nicht schlechter als andere". Sonst hätte er nicht genug Mitarbeiter und könnte seine Wachstumspläne vergessen. Er warf den Gewerkschaften vor, "Außenstehende" zu sein und als Vertreter von Mitarbeitern anderer Unternehmen die "Interessen von Wettbewerbern" zu vertreten.

Gleichzeitig kündigte Váradi eine leichte Preissteigerung an. "Wir werden weiterhin günstiger als unsere Wettbewerber sein. Sicher, wir werden etwas teurer und Reisende am unteren Ende des Preisspektrums verlieren." Man werde jedoch dafür am oberen Ende zulegen, da immer weniger Passagiere die "verschwenderische Arbeitsweise der traditionellen Linien bezahlen wollen".

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