Personalfrage Yellen wichtiger als die Zinsfrage


Bis zum 1. November will US-Präsident Donald Trump bekanntgeben, wer künftig die US-Notenbank (Fed) leitet. Und ausgerechnet am 31. Oktober und am 1. November tagt der geldpolitische Ausschuss der Fed. Was Michael Feroli, den Fed-Experten bei JP Morgan, zu der Bemerkung veranlasst: „Hoffentlich gibt er seine Entscheidung nicht während der laufenden Sitzung bekannt.“

Klar ist: Die Geldpolitik spielt in der kommenden Woche nur die Nebenrolle. Niemand erwartet eine Zinserhöhung. Fed-Chefin Yellen wird die Tür offen lassen für eine weitere Erhöhung im Dezember auf eine Spanne von 1,25 bis 1,5 Prozent, sich aber auch nicht festlegen.

Die meisten Experten gehen davon aus, dass der nächste Schritt im Dezember fällig ist, es wäre der dritte Anstieg um ein Viertel Prozentpunkt im laufenden Jahr. Gute Wachstumszahlen vom Freitag sprechen ebenfalls für eine weitere Straffung der Geldpolitik. Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal um drei Prozent zugelegt.


Das Programm zum Abbau der Bilanzsumme Fed ist gerade angelaufen, auch darüber sind keine Nachrichten zu erwarten. Um so spannender ist die Frage, wer nach Auslaufen von Yellens Amtszeit Anfang Februar die Fed leiten wird? Die Spekulationen halten seit Wochen an. Aber da wahrscheinlich Trump selber bis zur letzten Minute unschlüssig bleibt, sind es tatsächlich nur Vermutungen.

Vor kurzem hat der Präsident offenbar per Handzeichen die republikanischen Senatoren abstimmen lassen, wen sie für den besten Kandidaten halten. Dabei hat John Taylor der meisten Stimmen bekommen. Im Rennen ist immer noch Jerome Powell, und selbst eine zweite Amtszeit für Yellen ist nicht ausgeschlossen.

Die Republikaner im Senat und Abgeordnetenhaus sind mehrheitlich für eine straffe Geldpolitik und für eine stärkere Bindung der Fed an eine bestimmte Regel. Daher ist es nicht überraschend, dass sich viele von ihnen für Taylor aussprechen. Der hat mit der Taylor-Rule eine Regel erfunden, die Geldpolitik berechenbar machen soll.


Fast alle anderen Geldpolitiker halten aber wenig von einer Bindung an eine Gleichung, bei der obendrein eine wichtige Variable, der so genannte neutrale Zinssatz, nur geschätzt werden kann. Taylor selber hat schon eingeräumt, dass man Geldpolitik nicht direkt aus seiner Gleichung ableiten kann. Sollte er den Vorsitz bekommen, dann stünde er wahrscheinlich vor der Aufgabe zu erklären, warum er sich nicht an seine eigene Regel hält.

Taylor gilt als Anhänger einer straffen Geldpolitik. Weil Trump sich häufig für niedrige Zinsen ausgesprochen hat, könnte seine Wahl eher auf Powell oder Yellen fallen. Powell ist bereits Fed-Gouverneur und würde wahrscheinlich Yellens vorsichtigen Kurs fortsetzen. Er gilt als Republikaner, hat aber offenbar im US-Parlament bei den Republikanern keinen starken Rückhalt. Klar ist: Mit Yellen oder Powell wären keine großen Marktreaktionen zu erwarten, die Auswahl Taylors könnte für etwas Unruhe sorgen.