Persil-Hersteller auf Rekordkurs

Bei Umsatz und Gewinn konnte Henkel im abgelaufenen Quartal zulegen. Aber das organische Wachstum in der Sparte Schönheitspflege stagniert. Henkel-Chef Hans Van Bylen setzt deshalb auf neue Produkte und Akquisitionen.


Manche Gelegenheiten kommen nie wieder. So dürfte sich Henkel-Chef Hans Van Bylen manchmal ärgern, dass der Düsseldorfer Konzern bei der Übernahme der Kosmetikmarke Wella vor zwei Jahren den Kürzeren gezogen hat. Wella ging an den US-Konkurrenten Coty, der bereit war, neben Wella noch weitere Marken von Procter & Gamble zu übernehmen.

Der Grund für das Hadern mit verpassten Chancen: Der Bereich Schönheitspflege von Henkel war im zweiten Quartal am schwächsten. Das organische Wachstum, also bereinigt um Währungsschwankungen und Akquisitionen, stagnierte bei Produkten wie „Schwarzkopf“, „Syoss“ oder „Bac“ bei 997 Millionen Euro.

Damit bleibt die Sparte Schönheitspflege die kleinste nach dem Bereich Klebstoff, der organisch um 3,4 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro wuchs, und der Wasch- und Reinigungsmittel-Sparte, die um 2,1 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zulegte.

Das Umsatzminus in der Sparte Schönheitspflege begründete Van Bylen mit einem schwächeren Markt im Einzelhandelsgeschäft in Italien und Frankreich, „das unter unseren Erwartungen blieb“, wie Van Bylen in einer Telefonkonferenz sagte. „Wir haben Maßnahmen ergriffen, um das zu verbessern“. Er setzt da vor allem auf neue Produkte. „Wir haben eine gut gefüllte Innovations-Pipeline“, sagte der Henkel-Chef. Dafür wachse das Profigeschäft der Sparte seit mehr als zwei Jahren, betonte Van Bylen.


Finanzvorstand Carsten Knobel machte klar, dass Henkel in dem Bereich auch durch Zukäufe wachsen will. „Wenn sich gute Möglichkeiten bieten, werden wir natürlich auch weiter akquirieren.“ Bei der letzten großen Akquisition vom vergangenen Jahr, dem US-Waschmittelkonzern Sun, komme Henkel bei der Integration gut voran, sagte Knobel. In 24 Monaten werde Sun voll integriert sein, einschließlich des Umzugs an die Ostküste.

Van Bylen warnte, „dass die Rahmenbedingungen in den Konsumgütermärkten weiter schwierig bleiben“. Und er rechnet auch damit, dass „die Währungsschwankungen anhalten“. Schwierig ist das Geschäft vor allem in Westeuropa, wo das organische Wachstum mit minus 1,2 Prozent leicht negativ war, weil Preis- und Promotionsdruck hoch waren.

Dafür legten Wachstumsregionen wie Osteuropa (plus 5,2 Prozent), Lateinamerika (plus 6,1 Prozent) und Asien/Pazifik (plus 4,8 Prozent) kräftig zu. Das reichte aus, um den Gesamtumsatz von Henkel im zweiten Quartal organisch um 2,2 Prozent auf das neue Rekordniveau von 5,1 Milliarden Euro zu steigern. Der Anstieg war aber deutlich geringer als in den ersten drei Monaten dieses Jahres, als der Umsatz noch organisch um vier Prozent wuchs. Das bereinigte betriebliche Ergebnis (Ebit) legte um elf Prozent auf 909 Millionen Euro zu.


Bei Waschmitteln und Klebstoffen läuft es gut

Aber selbst das schwächere zweite Quartal liegt noch im Zielkorridor Van Bylens. So bestätigte er die Ziele von Henkel für das Gesamtjahr. Er peilt ein organisches Wachstum von zwei bis vier Prozent an. Und er will eine bereinigte Ebit-Marge, also des Gewinns vor Zinsen und Steuern, von mehr als 17 Prozent erreichen. Im zweiten Quartal lag sie bei 17,8 Prozent.

Vor allem im Geschäft mit Klebstoffen und Waschmitteln verdiente Henkel mehr, die durch die US-Übernahme Sun Products gestärkte Waschmittelsparte steigerte das bereinigte operative Ergebnis um 22,2 Prozent auf 298 Millionen Euro. Unter dem Strich und nach Anteilen Dritter stand ein Gewinn von 624 (Vorjahr: 561) Millionen Euro. Analysten hatten für den Konzern mit einem Umsatz von 5,23 Milliarden Euro und einem bereinigten Ebit von 915 Millionen Euro gerechnet.


Bei den Konsumgüterkonzernen liefen die Geschäfte zuletzt rund. Beim Nivea-Hersteller Beiersdorf hatte sich der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um fast zehn Prozent auf 561 Millionen Euro erhöht. Konkurrent L'Oreal hatte den Betriebsgewinn im ersten Halbjahr um 7,1 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar gesteigert. Die Erlöse des weltgrößten Kosmetikherstellers erhöhten sich um vier Prozent auf 13,4 Milliarden Euro.

An der Börse kamen die Henkel-Zahlen nicht gut an. Die Vorzugsaktie von Henkel verlor am Vormittag um fast vier Prozent und fiel zwischenzeitlich auf 114,70 Euro. Vorstandschef Van Bylen kann sich trösten. Seit seinem Amtsantritt am 1. Mai 2016 hat das Papier kräftig zugelegt. Damals lag es bei 100 Euro.