Performance-Gewichte auf der Kippe: Wer hört auf die Fahrer?

Die DTM fährt voraussichtlich auch in Russland mit Performance-Gewichten


Die seit Saisonbeginn umstrittenen Regelungen zu den Performance-Gewichten in der DTM stehen zur Disposition. Noch vor den kommenden beiden Rennen in Moskau (22./23. Juli) könnte es sogar zu einer kompletten Abschaffung der entsprechenden Regularien kommen. Wie 'Motorsport-Total.com' bereits exklusiv berichtete, setzen sich derzeit alle 18 DTM-Piloten unter dem Dach der DTMDA (DTM Driver Association) für einen solchen Schritt ein.

Die DTMDA den entsprechenden Wunsch bei der DTM-Dachorganisation und dem DMSB platziert. Obwohl das Ansinnen bei beiden Parteien positiv aufgenommen wurde, ist eine tatsächliche Abschaffung der Performance-Gewichte dennoch fraglich. Am Montag nach dem Norisring-Rennwochenende hatten sich die Sportchefs von Audi (Dieter Gass), BMW (Jens Marquardt) und Mercedes (Ulrich Fritz) zu diesem Thema ausgetauscht. Das Ergebnis: Nicht alle Hersteller könnten sich mit der Abschaffung abfinden.

Die Sportchefs übergaben das Thema Performance-Gewichte an die Sporting Working Group der DTM. Diese Arbeitsgruppe tagt am kommenden Montag (17. Juli). Am Tisch sitzen werden dabei neben leitenden Ingenieuren der drei Hersteller auch Vertreter des DMSB, der ITR sowie Manuel Reuter als Sprecher der DTMDA. Sollte es dort gelingen, alle Parteien auf eine Linie zu bringen, dann könnte die DTM-Kommision im Rahmen einer Fax-Abstimmung noch vor dem Russland-Wochenende Nägel mit Köpfen machen.

Sitzung am kommenden Montag

Ist dies wahrscheinlich? Derzeit eher nein. Die in die Sporting Working Group entsandten Techniker werden kaum gegen die Wünsche ihrer Sportchefs arbeiten, auch wenn sich unter dem Dach der DTMDA sogar die BMW-Piloten für die Abschaffung der Performance-Gewichte ausgesprochen haben - also gegen den Willen ihres Arbeitgebers. Für eine kurzfristige Änderung der Regeln muss ein gemeinsamer und einstimmiger Weg gefunden werden. Dies ist unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass man die derzeit gültigen Vorgaben für das Moskau-Wochenende unverändert lässt, um die Auswirkungen der jüngsten Unterdrückung von Kommunikation zwischen Teams und Fahrern zu begutachten. Vor den Norisring-Rennen war das Funkverbot verschärft und die Nutzung der Boxentafeln erheblich eingeschränkt worden. Auf diesem Wege sollte ein Zielzeitfahren wie in Ungarn verhindert werden. Am Norisring gelang dies, was aber größtenteils auf die Streckencharakteristik zurückzuführen war.

Der Stadtkurs in Nürnberg bietet mehr Überholmöglichkeiten als zuvor die Strecke in Budapest. In Ungarn war es den Fahrern jederzeit möglich, langsamere Rundenzeiten im Hinblick auf drohende Zuladungen zu fahren, ohne dass folgende Autos eine Chance auf ein Überholmanöver hatten. Russland wird im Gegensatz zum Norisring wieder ähnliche Bedingungen mit sich bringen. Sollten sich die Teams und Hersteller neue Geheimsignale für die Zeitvorgaben einfallen lassen, droht ein neues Zielzeitfahren.

Abschaffung: Wenn ja, wie denn im Detail?

Und wenn die Sporting Working Group doch einstimmig zu dem Schluss kommen sollte, dass die Performance-Gewichte in die Ewigen Jagdgründe geschickt werden sollen? Dann gibt es zwei Möglichkeiten der Interpretation. Naheliegend wäre auf den ersten Blick ein kompletter Reset, sprich: alle Fahrzeuge starten ab sofort mit dem Basisgewicht als Untergrenze. Dieses liegt in der DTM-Saison 2017 bei 1.125 Kilogramm (inklusive Fahrer).

Eine solch radikale Abkehr von den Performance-Gewichten hätte zur Folge, dass die Stärken und Schwächen der Autos deutlich zutage treten würden. Klartext: Audi und Mercedes hätten vermutlich einen Vorteil gegenüber BMW. Ob die Münchener dieses Spiel mitspielen würden, ist mehr als fraglich. Schließlich sind die Fahrzeuge bis Ende 2018 homologiert. BMW könnte einen etwaigen technischen Rückstand nicht aufholen.

Die zweite Variante: Der aktuelle Stand der Gewichte wird eingefroren und einfach nur die Regel zur entsprechenden Veränderung der Gewichte auf Grundlage der Renn-Performances außer kraft gesetzt. Alle drei Hersteller haben in diesem Jahr bereits Rennen gewonnen. In der Fahrerwertung liegen auf den ersten drei Rängen Piloten von allen drei Marken. Dies spräche für einen solchen Ansatz. Derzeit hat Audi mit 1.117,5 Kilogramm das leichteste Auto. BMW (1.122,5) und Mercedes (1.127,5) wiegen erheblich mehr.

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