"Das perfekte Dinner" - mit Fertig-Salatcreme und Würstchen vom Discounter?

"Es muss nicht immer Fine Dining sein": Verena (26) ist das Wohlbefinden der Gäste wichtiger. (Bild: RTL)
"Es muss nicht immer Fine Dining sein": Verena (26) ist das Wohlbefinden der Gäste wichtiger. (Bild: RTL)

"Ich möchte bei meinen Gästen sein und nicht stundenlang in der Küche stehen": An Tag 4 von "Das perfekte Dinner" (VOX) in Amsterdam sieht Verena (26) aus Kitzingen die Challenge pragmatisch. So beglückt sie die Runde mit einem "Fränggischen" Abend - und zeigt nicht bei allen Zutaten Ambition.

Ist ja auch ganz schön aufwändig, so ein 3-Gänge-Menü für fünf Personen - und das auch noch vor laufender Kamera. "Ich sehe mich nicht als perfekte Köchin", gibt Verena gleich zu Beginn ihres vermeintlich "Perfekten Dinner"-Abends (VOX) zu. In welcher Rolle sie sich aber offensichtlich wohlfühlt, ist die der souveränen Gastgeberin. Und so fließt in ihr mottogerechtes Outfit, einem Modedirndl mit Satin-Anteil, mindestens ebenso viel Mühe wie in die Kombination aus bayerischer Brotzeit, Rahmschwammerl und fruchtigem Dessert.

Motto: "Fränggischer Abend":

  • Vorspeise: Fränggische Vesper

  • Hauptspeise: Schwammerl meets Semmel

  • Nachspeise: Plootz à la Apfel Zweierlei

Fränkische Brotzeit in Amsterdam: Da bekommt Thomas Heimatgefühle. (Bild: RTL)
Fränkische Brotzeit in Amsterdam: Da bekommt Thomas Heimatgefühle. (Bild: RTL)

Fleischklops, Schwamm und Plootz

Für ihren internationalen Master in Business Administration hat sich Verena auf "Strategy and Organization" spezialisiert und arbeitet seit einem Jahr als Account-Managerin im IT-Bereich. Ebenso effektiv plant die 26-Jährige ihr Menü: Den Kartoffelsalat für ihre Vesper-Platte würzt Verena mit Fertig-Salatcreme aus der Plastikflasche - "für den Geschmack". Woraus die Mischung denn bestehe? "Hm", überlegt die langjährige Aushilfe im Gastro-Bereich und studiert das Etikett: "Joghurt, Mayonnaise und Kräuter."

Und weil zu einem ordentlichen Kartoffelsalat auch Würstchen gehören, liefert die gebürtige Fränkin gleich das Original: Nürnberger Rostbratwürste, importiert von einem zwischen Amsterdam und Nürnberg pendelnden Bekannten. Dass an der Ecke die Discouter-Eigenmarke einer großen deutschen Supermarkt-Kette aufblitzt, wird spätestens dann egal, als Oberbayer Thomas (55) beim Lesen der Speisekarte regelrecht aufleuchtet: "Ich werd narrisch." Beschwörte der Schuh-Designer am Vorabend noch sein Heimweh nach Weißwürsten und Leberkäs, wird er sich heute an allerlei süddeutschen Fleisch- und Laugenprodukten laben können.

Zur Vesper kommen noch "Obazda" aus Butter und Camembert (diesmal zu 100 Prozent hausgemacht) sowie frische Laugenstangen. Unter "Schwammerln" zum Hauptgericht können sich Touristik-Kauffrau Lena ("Vielleicht ein Fleischklops?") aus Hamburg und Investment-Bankerin Andrea ("Etwa ein Schwamm?") aus der Eifel nichts vorstellen - und erst recht nichts unter "Plootz". Bei Ersterem handelt es sich um gemischte Pilze in Sahnesoße, bei Zweiterem um ein in Franken beliebtes Hefegebäck. In Verenas Fall wird es mit Äpfeln und Streuseln belegt - und überhaupt von ihrer "Schnibbelhilfe" Anni (25) zubereitet: "Sie kann das besser als ich."

Auf dem Dessert-Arrangement wird es von einem mit Wein und Eischnee fluffig aufgeschlagenem Apfelmus sowie Eis begleitet. "Hast du das Eis selbst gemacht?", erkundigt sich die tendenziell kritische Anita (38) eher routinemäßig. "Nein", gesteht Verena die Familienpackung aus dem Großmarkt: "Ich hab leider keine Eismaschine."

Da ist die Runde doch ein wenig baff: "Dann hätte ich gar kein Eis ins Menü genommen", so Anita kritisch, die auch die Pilzsoße "lasch" findet. Das Fertigprodukt im Salat sorgt auch nicht für Furore: "Der war ein bisschen zu sauer", kritisiert Thomas. Ihm fehle trotz Heimatgefühlen "etwas mehr Raffinesse". Einzig Andrea hat Grund zum Schwärmen: "Die Gläser waren nie leer. Eine richtig tolle Gastgeberin."

Und so bleibt vom "Fränggischen" Abend vor allem die Erinnerung an eine adrette, gut gelaunte und konstant kichernde Gastgeberin, deren Charme ihr trotz mangelnden Perfektionismus den momentan zweiten Platz hinter Thomas einbringen. Denn was soll auch der ganze Perfektionismus: "Es muss nicht immer Fine Dining sein."

Kulinarisch nicht wirklich versiert, dafür höchst adrett gekleidet: Verena (26) aus Kitzingen. (Bild: RTL)
Kulinarisch nicht wirklich versiert, dafür höchst adrett gekleidet: Verena (26) aus Kitzingen. (Bild: RTL)