Perfekte Ausgangslage - doch Hamilton fürchtet die Hitze

Stefan Schnürle
Mercedes-Pilot Lewis Hamilton ist dreimaliger Formel-1-Weltmeister

Lewis Hamilton wollte seinem WM-Rivalen Sebastian Vettel erst gar keine Hoffnung machen: "Hier ist es schwierig zu überholen, wenn nicht unmöglich. Daher haben wir eine perfekte Ausgangsposition."

Tatsächlich dürfte die Überlegenheit, mit der der Mercedes-Pilot zur Pole in Suzuka flog, der Konkurrenz wenig Mut für das Rennen (So., ab 7 Uhr im LIVETICKER) machen – fast eine halbe Sekunde betrug der Rückstand von Ferrari-Star Vettel.

Durch die lang ersehnte Pole in Japan hat Hamilton nebenbei noch das Kunststück vollbracht, auf allen 20 Strecken des Rennkalenders mindestens einmal auf der Pole gestanden zu haben.

Mercedes: Bloß keine Sonne

Es könnte also alles eitel Sonnenschein bei Mercedes sein – doch genau von jenem Sonnenschein wollen die Silberpfeile nichts wissen und hoffe, ihn am Sonntag auch nicht zu sehen.


"Wir haben in letzter Zeit einige Regentänze veranstaltet", scherzte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und fügte hinzu: "Die Hitze hat uns in Singapur und Malaysia Probleme bereitet. Für unser Auto wäre es definitiv nicht optimal, wenn es sehr heiß wird."

Denn wenn es wärmer wird, rutschen die Reifen bei Mercedes schnell einmal aus dem Temperaturfenster. Dies könnte laut Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas bis zu zwei Sekunden Unterschied ausmachen – eine Welt in der Formel 1.

Hoffnung für Vettel und Red Bull

Und für Vettel und Co. gibt es berechtigte Hoffnung: Nachdem die ersten Tage in Japan kühl, bewölkt und teilweise regnerisch waren, werden beim Rennen viel Sonne und hohe Temperaturen erwartet. Entscheidend wird aber sein, wie stark der Temperaturanstieg ausfällt - etwa 25 Grad Celsius sind prognostiziert.


Bei Ferrari und Red Bull, die von Rang 3 und 4 ins Rennen gehen und vor dem Wochenende als ernsthafte Siegkandidaten gehandelt wurden, sieht man höhere Temperaturen als einzige Chance, um Mercedes zu gefährden.

"Dann fängt das Auto an zu rutschen", prophezeit Vettel: "Im Idealfall kann er morgen nicht mit uns mithalten. Hoffentlich sehen wir dann im Rückspiegel, dass wir mit unserer Einschätzung richtig gelegen haben."

"Das Einzige, was die Mercedes in ihrer Geschwindigkeit etwas bremsen könnte, ist das Wetter", sagte Daniel Ricciardo und Motorsportkonsulent Dr. Helmut Marko ergänzte: "Wenn es wirklich zehn Grad wärmer wird, wird es entscheidend sein, wie sich die Reifen bei Mercedes verhalten."

Bottas erneut als Bremsklotz?

In Sachen Strategie hat Mercedes aber noch ein Ass im Ärmel: der siebtplatzierte Bottas. Der zweite Mercedes-Pilot fährt anders als die ersten Vier mit den Soft-Reifen los und kann der Theorie nach länger als die Konkurrenz draußen bleiben.

Dadurch könnte es passieren, dass Vettel nach seinem Boxenstopp mit frischen Reifen den Finnen vor sich hat, der auf einer Strecke, auf der es ohnehin schwierig ist, zu überholen, kaum freiwillig Platz machen wird. Über "Bremsklotz Bottas" hatte sich Vettel bereits in Sepang geärgert.


Zwar könnte Ferrari Ähnliches auch mit Kimi Räikkönen bei Hamilton versuchen - dieser startet jedoch nur von Rang elf ins Rennen und benötigt einen guten Start, um nicht anfangs hinter Williams, McLaren und Renault viel Zeit zu verlieren.

Hamilton freut sich auf Startduell

Apropos Start: Sollten die Reifen von Mercedes nicht aus dem Temperaturfenster rutschen, liegt hier wahrscheinlich Vettels einzige Chance, eine Solofahrt von Hamilton zu verhindern.

Hamilton freut sich jedenfalls auf das Duell mit seinem WM-Rivalen: "Es ist cool, neben Sebastian zu starten. Zwei Weltmeister in der 1. Startreihe - das wird bestimmt toll."


Angesichts von 34 Punkten Vorsprung fünf Rennen vor Schluss könnten im Hinterkopf auch taktische Überlegungen am Start eine Rolle spielen: Wer geht mehr Risiko ein und provoziert womöglich sogar eine Kollision?

Vettel kann sich eigentlich keinen Ausfall mehr leisten – doch betrachtet man das gesamte Wochenende in Suzuka, wäre es für Hamilton eine große Enttäuschung, wenn er den Vorsprung nicht weiter ausbauen könnte.