Raketenangriffe überschatten Besuch von Mattis und Stoltenberg in Kabul

Bei einem Besuch in Afghanistan haben US-Verteidigungsminister Jim Mattis und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ihr Engagement in dem kriegsversehrten Land bekräftigt. Nur Stunden nach Mattis' Ankunft wurde bei einem Raketenangriff ein Mensch getötet

Ein gemeinsamer Besuch von US-Verteidigungsminister Jim Mattis und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg in Afghanistan ist von Raketenangriffen überschattet worden. Aufständische feuerten am Mittwoch mehrere Raketen auf die Hauptstadt Kabul ab. Dabei wurde ein Mensch getötet, elf weitere wurden verletzt. US-Truppen erwiderten das Feuer. Dabei sei es zu einer "Fehlfunktion" einer Rakete gekommen, die "mehrere Opfer" verursacht habe, teilte die Nato-Mission Resolute Support mit.

"Wir werden Afghanistan nicht einem gnadenlosen Feind ausliefern, der mordend versucht, sich den Weg zur Macht zu bahnen", sagte Mattis bei einer Pressekonferenz mit Stoltenberg und Afghanistans Präsident Aschraf Ghani in Kabul. Die ausländische Unterstützung werde den afghanischen Truppen eine "überwältigende Überlegenheit auf dem Schlachtfeld" gegen die radikalislamischen Taliban geben, zeigte sich Mattis überzeugt.

Erst im August hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, das Truppenkontingent seines Landes in Afghanistan wieder aufzustocken. Mattis ist das erste Kabinettsmitglied, das nach dieser strategischen Wende nach Afghanistan kam.

Mattis und Stoltenberg berieten in Kabul mit dem afghanischen Präsidenten und weiteren ranghohen Regierungsvertretern über die US-geführte Nato-Mission. Langfristiges Ziel ist, dass die heimischen Streitkräfte allein für die Sicherheit im Lande sorgen können.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg sagte, je stabiler Afghanistan sei, desto "sicherer werden wir sein". Nach seinen Angaben wollen mehr als 15 Mitgliedstaaten der Militärallianz zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken.

Der US-Militäreinsatz in Afghanistan hatte infolge der Terroranschläge vom 11. September 2001 begonnen. Mit bald 16 Jahren ist der Krieg gegen die Taliban der längste Auslands-Militäreinsatz in der Geschichte der USA.

Unter Trumps Vorgänger Barack Obama hatten die USA zeitweise mehr als 100.000 Soldaten in dem Land stationiert, seit 2011 sank ihre Zahl aber kontinuierlich. Der Kampfeinsatz wurde Ende 2014 beendet, seitdem sind ausländische Soldaten überwiegend als Berater und Ausbilder aktiv.

Angesichts der Probleme der afghanischen Truppen, den Vormarsch der radikalislamischen Taliban zu stoppen, forderten US-Generäle schon seit Monaten ein Umdenken. Nach Trumps Plan werden die USA nun mehr als 3000 weitere Soldaten nach Afghanistan entsenden - zusätzlich zu den rund 11.000 bereits dort stationierten. Die Nato-Verbündeten haben rund 5000 Soldaten landesweit im Einsatz.

Die anhaltende Unsicherheit wurde am Mittwoch einmal mehr durch den Raketenangriff in Kabul deutlich. Die Geschosse schlugen in einem Haus in der Nähe des internationalen Flughafens ein, wie das Innenministerium mitteilte. Ein Mensch wurde getötet, elf weitere verletzt. Angreifer und Sicherheitskräfte lieferten sich Gefechte.

Die Taliban bekannten sich in sozialen Medien zu dem Angriff, der nach ihren Angaben auf Mattis' Flugzeug gezielt hatte. Wenig später reklamierte auch der örtliche Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in der Provinz Chorasan den Raketenangriff für seine Organisation.

Wieviele Menschen durch die fehlgeleitete US-Rakete verletzt oder getötet wurden, teilte die Nato nicht mit. Sie erklärte lediglich, sie bedauere "den Schaden für Nicht-Kämpfer zutiefst".

Der afghanische Präsident hat in diesem Jahr nahezu eine Verdopplung der Eliteeinheiten der Armee angeordnet, der Speerspitze im Kampf gegen die Taliban. Bislang machten sie 17.000 Mann aus. Ein Vierjahresplan der Regierung sieht zudem einen Ausbau der Luftwaffe vor. Angesichts großer Opfer, Desertierungen und Korruption ist die Moral der afghanischen Sicherheitskräfte auf einem Tiefstand.