Pentagon-Chef Austin nimmt Ukraine nach Raketeneinschlag in Polen in Schutz

Nach dem tödlichen Einschlag einer mutmaßlich ukrainischen Rakete in Polen hat US-Verteidigungsminister Lloyd Austin die Ukraine in Schutz genommen. "Die Welt weiß, dass letztlich Russland die Verantwortung für diesen Vorfall trägt", sagte Austin am Mittwoch im Pentagon. Russland habe am Vortag eine Reihe von Raketen abgefeuert, um zivile Infrastruktur in der Ukraine zu treffen.

"Die Ukraine hat ein felsenfestes Recht, sich zu verteidigen", sagte Austin. "Und wir werden weiterhin solidarisch an der Seite des ukrainischen Volkes stehen, während es sein Land verteidigt."

Beim Einschlag einer Rakete in Polen unweit der Grenze zur Ukraine waren am Dienstag zwei Menschen getötet worden. Nach vorläufigen Erkenntnissen der polnischen Regierung und der Nato handelte es sich nicht wie zunächst vermutet um ein russisches Geschoss, sondern um eine ukrainische Luftabwehrrakete. Der polnische Präsident Andrzej Duda sagte, sein Land gehe von einem "unglücklichen Unfall" mit einem ukrainischen Querschläger aus.

"Wir sammeln noch Informationen", sagte Austin am Mittwoch. "Aber wir haben nichts gesehen, was der vorläufigen Einschätzung von Präsident Duda widersprechen würde, dass diese Explosion höchstwahrscheinlich die Folge einer ukrainischen Flugabwehrrakete war, die bedauerlicherweise in Polen gelandet ist." Zugleich hob der Pentagon-Chef hervor, dass die von den USA unterstützten Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

US-Generalstabschef Mark Milley warf Russland derweil vor, eine "Kampagne des Terrors" gegen die ukrainische Bevölkerung zu führen. "Das bewusste ins Visier nehmen des zivilen Energienetzes, das übermäßige Kollateralschäden verursacht und unnötiges Leid über die Zivilbevölkerung bringt, ist ein Kriegsverbrechen", sagte der General bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Austin. Milley verwies dabei auf die große Kälte im ukrainischen Winter.

Russland greife angesichts seines militärischen Scheiterns die zivile Infrastruktur der Ukraine an, sagte der Generalstabschef weiter. "Die Ukrainer haben einen Erfolg nach dem anderen erzielt. Und die Russen sind jedes Mal gescheitert. Sie haben strategisch verloren, sie haben operativ verloren, und sie haben taktisch verloren."

Zugleich sei es unwahrscheinlich, dass die ukrainischen Streitkräfte die russischen Truppen militärisch komplett aus der Ukraine zurückdrängen könnten, sagte Milley. Nötig sei deswegen eine politische Lösung. Die Ukraine müsse aber aus einer Position der Stärke heraus mit Russland Gespräche führen können.

fs/ans