Peking kündigt nach neuem Impfskandal scharfe Sanktionen an

Wut und Sorge sind nach zahlreichen Skandalen groß

Nach einem neuen Impfskandal in China hat die Regierung in Peking scharfe Konsequenzen angekündigt. Das verantwortliche Unternehmen habe "die Linie der menschlichen Ethik überschritten", erklärte Ministerpräsident Li Keqiang am Sonntagabend. Gegen die beteiligten Unternehmen und Personen würden drastische Strafen verhängt, erklärte Li. "Wir werden Null Toleranz zeigen."

Die chinesische Medikamenten- und Lebensmittelaufsicht (CFDA) hatte zuvor mitgeteilt, dass sie die Produktion eines Impfstoffes gegen Tollwut durch den Pharmakonzern Changchun Changsheng Biotechnology im Nordosten Chinas habe stoppen lassen. Bei einer Inspektion seien gefälschte Daten und andere Probleme aufgefallen.

In Online-Netzwerken löste die Nachricht eine Flut von Artikeln und Kommentaren aus, in denen zumeist die chinesische Pharmaindustrie scharf kritisiert wird. Nach zahlreichen Skandalen ist das Vertrauen der chinesischen Bevölkerung in die Sicherheit von Lebensmitteln und Medikamenten geschrumpft, Wut und Sorge sind groß.

Die Aufsichtsbehörde CFDA erklärte, die beanstandeten Impfdosen hätten die Fabrik nicht verlassen. In den staatlichen Medien wurde das Gegenteil berichtet. Viele Eltern sind besorgt, dass ihren Kindern ein unzulässiger Impfstoff gespritzt worden ist.

Regierungschef Li kündigte nun die Bildung einer Untersuchungskommission an, um die Praktiken in der gesamten Pharmabranche offenzulegen. Die Aktienkurse der größten chinesischen Impfstoffhersteller stürzten am Montag an der Börse ab. An der Börse in Shenzhen verloren die Aktien von Walvax Biotechnology, Shenzhen Kangtai und Chongqing Zhifei zehn Prozent.

Auch der Kurs des Mutterkonzerns von Changchun Changsheng gab um zehn Prozent nach. Changchun Changsheng ist der zweitgrößte Hersteller von Anti-Tollwut-Impfstoffen in China.