Paypal-Rivale Adyen ist nach starkem Börsengang höher bewertet als die Commerzbank


Der Paypal-Rivale Adyen trifft mit seinem heutigen Börsengang auf großes Interesse bei Investoren. Die Aktien schnellten von ihrem Ausgabepreis in den ersten Handelsminuten in die Höhe und kosteten zeitweise mehr als 500 Euro. Das ist mehr als eine Verdopplung des Preises.

Ausgegeben wurden die Aktien für 240 Euro pro Stück - und schon das galt für das Unterhemen als oberes Ende der Preisspanne. Adyen legte damit es einen der größten Börsengänge eines europäischen Fintech-Unternehmens hin. Dank des rasanten Kursanstiegs kommt das Fintech jetzt auf eine Marktbewertung von über 14 Milliarden Euro. Das ist eine höhere Bewertung als die der Commerzbank.

Adyen bietet Zahlungsdienstleistungen unter anderem für Facebook, Netflix und Ebay an. Die Neuemission fand an der Euronext in Amsterdam statt. Konzernchef Pieter van der Does hatte bei der Bekanntgabe der Pläne erklärt, mit dem Schritt verschaffe sich das Management die Freiheit, das Unternehmen weiter aufbauen zu können.

„Ich bin sehr stolz, dieses Unternehmen mit so einem großartigen Team aufbauen zu können“, sagte van der Does. „Der Schritt an die Börse wird uns helfen, weiterzumachen wie bisher: Wir unterstützen unsere Händler beim Wachsen und erneuern die Welt der Zahlungsabwicklungen.“

Adyens Produkt: Einfache Bezahlwege

Van der Does hat mit seinem Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die mehrere Bezahlwege in einer Lösung vereint. Seit 2017 besitzt Adyen eine eigene Banklizenz und macht seitdem auch klassischen Zahlungsanbietern Konkurrenz.

Dabei lockt das Unternehmen mit einem Rundumpaket: Wollen Händler beispielsweise verschiedene Zahlungsmöglichkeiten anbieten, etwa über Kreditkarte und den Internetdienst Paypal, müssen sie normalerweise mit jedem Anbieter einen Vertrag abschließen und die Funktionen jeweils einzeln in ihre Shopsysteme integrieren.

Adyen will das vereinfachen und bietet für viele Zahlungsvorgänge weltweit ein System. Zudem kann man mit der Lösung auch im stationären Handel - also direkt im Laden - bezahlen.

Das Konzept funktioniert: Ebay, Netflix, Facebook, Uber, Vodafone oder die Fluggesellschaft KLM - die industrieübergreifende und prominente Liste an Kunden spricht für Adyens Potential. Erst Ende Januar hatte Adyen Paypal als bevorzugten Bezahldienst von Ebay abgelöst.


Vor den großen Kunden kam aber die Aufbauarbeit: Gerade zu Beginn wäre es hart gewesen für das Fintech, sagte Adyen-Manager Roelant Prins. Er stieß kurz nach Gründung zu van der Does und Mitgründer Arnout Schuijff. Gemeinsam hatten sie zuvor beim Online-Zahlungsanbieter Bibit zusammengearbeitet. „Wenn man mit dem Geld anderer Leute arbeitet, muss man ziemlich überzeugend sein und Vertrauen aufbauen.“

Adyens erster Kunde war ein deutscher Anbieter für Onlinespiele, erzählt Prins von den Anfängen: „Es handelte sich um ein neu gegründetes Unternehmen, das sich nicht daran störte, dass wir auch eins waren.“ Die Lösung von Adyen versetzte den Spieleanbieter in die Lage, seinen Kunden Zahlungen innerhalb des jeweiligen Spiels anzubieten, ohne dass diese es verlassen mussten, erklärt der Manager.

„Früher bedeutete Onlinebezahlen, dass man durch drei oder vier unterschiedliche Seiten geleitet wurde, jede Menge Leute haben deswegen den Vorgang abgebrochen.“ Adyen habe sich darauf konzentriert, den ganzen Ablauf nahtloser und damit kundenfreundlicher zu machen, und zwar mit einer einzelnen Webseite. Mit genau dieser Lösung sei man in der Branche berühmt geworden und davon ausgehend gewachsen.

Der Erfolg Adyens reiht sich in eine grundsätzliche Veränderung in der Branche: Immer mehr kleinere Neulinge übernehmen momentan das Geschäft der traditionellen Bezahldienste. Paypal selbst kaufte zum Beispiel zuletzt für 2,2 Milliarden Dollar das schwedische FinTech-Unternehmen iZettle, das ursprünglich auch an die Börse wollte.

Mit Material von Reuters und Bloomberg.