Studie: Kinder profitieren von gerechter Aufteilung von Arbeits- und Familienzeit

Die Lebensentwürfe von Frauen und Männern haben sich einer aktuellen Umfrage zufolge deutlich angenähert. Die Karriere ist Frauen heute fast genauso wichtig wie Männern

Kinder wollen, dass sich beide Elternteile gleichermaßen um die Erziehung kümmern und etwa gleich viel arbeiten. Nach einer am Mittwoch vorgestellten Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums finden Kinder es gerecht, wenn sich Eltern die familiären Aufgaben teilen. Sie profitieren zudem davon, wenn es zwei Gehälter gibt. Familienministerin Katarina Barley (SPD) wertete die Studie als Beleg für die von ihrer Partei geforderte Familienarbeitszeit.

"Immer mehr Eltern wollen mehr Zeit für Familie und Beruf haben", sagte Barley am Mittwoch in Berlin. Etwa 60 Prozent der Eltern mit kleinen Kindern wünschten sich eine partnerschaftliche Aufteilung der Arbeits- und der Familienzeiten. Bislang könnten dies aber nur wenige auch realisieren.

Für die Studie hatten Forscher des Berliner Instituts für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) Daten und Analysen zusammengetragen sowie Interviews mit 43 Kindern zwischen sechs und 14 Jahren geführt, deren Eltern beide in der Regel zwischen 28 und 36 Wochenstunden arbeiten und nahezu gleich viel Zeit mit den Kindern verbringen.

"Kinder nehmen partnerschaftliche Arbeitszeiten als gerecht und positiv wahr", sagte die Geschäftsführerin des Instituts, Svenja Pfahl. Die Mehrheit der befragten Kinder sei damit sehr zufrieden. Der Zugewinn an Eltern-Kind-Zeit werde von den Kindern geschätzt. Von dem intensiveren Kontakt zu den Vätern profitierten insbesondere Mädchen, so das Ergebnis der qualitativen Studie.

Barley sagte, der Wunsch vieler Eltern nach partnerschaftlichen Arbeits- und Familienzeiten müsse politisch unterstützt werden. Das SPD-Konzept einer Familienarbeitszeit mit einem Familiengeld sei nur eine Maßnahme. Auch das Mitte 2015 eingeführte Elterngeld Plus, das die Kombination von Elterngeld und Teilzeitarbeit erleichtert, sei sehr gut aufgenommen worden, so die Ministerin.

Mit ihrem Modell einer Familienarbeitszeit will die SPD Eltern jüngerer Kinder ein Familiengeld von 150 Euro pro Partner gewähren, wenn sie ihre Wochenarbeitszeit etwas reduzieren, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Es soll maximal zwei Jahre an Eltern gezahlt werden, die beide 75 bis 90 Prozent ihrer regulären Vollzeit arbeiten (26 bis 36 Wochenstunden).

Die Linke kritisierte, die SPD hätte in der großen Koalition "sehr viel mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen können". Gebraucht würden insbesondere eine Stärkung der Infrastruktur für Kinderbetreuung, eine nicht übertragbare Elternzeit von zwölf Monaten für jedes Elternteil, eine Ausweitung des Kündigungsschutzes sowie und ein Rückkehrrecht auf Vollzeit, erklärte ihr familienpolitischer Sprecher im Bundestag, Jörn Wunderlich.

Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner warf Barley vor, sie betreibe "nur Show". Der Gesetzentwurf zur Familienarbeitszeit sei mehrfach angekündigt, aber nie umgesetzt worden. "Das Rückkehrrecht auf Vollzeit wurde nicht eingeführt", kritisierte sie. Für eine moderne Familienpolitik bräuchten Familien flexible Rahmenbedingungen. "Dazu gehört neben dem Rückkehrrecht auf Vollzeit ein flexibler Korridor, wann und wie lange die Arbeitszeit zugunsten von Familie reduziert werden soll", warb Dörner für das Grünen-Konzept "KinderZeitPlus".