Wachsender Protest gegen Machtübernahme des Militärs in Myanmar

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Vier Tage nach dem Militärputsch in Myanmar gibt es neue Informationen über den Verbleib der De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi, während der Protest gegen die Armeeführung in dem südostasiatischen Land wächst. Die beim Staatsstreich festgesetzte Freiheitsikone Suu Kyi befinde sich "bei guter Gesundheit" im Hausarrest in ihrer Residenz in der Hauptstadt Naypyidaw, erklärte ihre Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) am Freitag. Derweil wurde ein enger Vertrauter der 75-Jährigen in der Wirtschaftsmetropole Rangun festgenommen.

"Soweit ich weiß, steht sie unter Hausarrest", sagte der Sprecher der NLD, Kyi Toe, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Die 75-jährige Suu Kyi sei noch nicht an einen anderen Ort gebracht worden.

Zuvor war bekannt geworden, dass auch Suu Kyis enger Vertrauter Win Htein festgenommen wurde. Er sei am Freitag in Rangun im Haus seiner Tochter von den Sicherheitskräften aufgegriffen worden, teilte Sprecher Kyi Toe im Onlinenetzwerk Facebook mit. Der 79-Jährige wurden demnach in eine Polizeistation der Hauptstadt Naypyidaw gebracht. Win Htein gilt als rechte Hand Suu Kyis.

Vor seiner Festnahme hatte Win Htein in Interviews mit englischsprachigen Medien den Streitkräften vorgeworfen, das südostasiatische Land mit dem Putsch "in die falsche Richtung zu führen". Er rief die Bürger zu Widerstand gegen die "Zerstörung unserer Regierung" auf.

Die Armeeführung hatte am Montag mit einem Staatsstreich die Macht an sich gerissen und die Zivilregierung abgesetzt. Myanmars Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi sowie der Präsident des Landes, Win Myint, wurden festgenommen. Das Militär rief einen einjährigen Notstand aus, nach dem Neuwahlen stattfinden sollen.

Die Armee begründete ihr Vorgehen mit angeblichen Manipulationen bei der Parlamentswahl im November, die Suu Kyis Partei gewonnen hatte. Regierungen weltweit verurteilten den Putsch und forderten die Freilassung der festgenommenen Politiker. Der Staatsstreich beendete eine zehnjährige Phase des demokratischen Wandels, nachdem der Staat fast fünf Jahrzehnte lang von einer Militär-Junta geführt worden war.

Trotz der Militärpräsenz auf den Straßen gab es am Freitag wachsenden Protest im Land. Rund 200 Dozenten und Studenten der Dagon-Universität in Rangun gingen auf die Straße. Als Zeichen des Protests zeigten sie den Drei-Finger-Gruß - ein Symbol der pro-demokratischen Protestbewegung im benachbarten Thailand.

"Wir müssen uns dieser Diktatur widersetzen", sagte der Dozent Win Win Maw der AFP. "Wenn sich alle Beamten an dieser Bewegung beteiligen, ist es nicht einfach, dieses Regierungssystem aufrecht zu erhalten." Die Studenten skandierten "Lang lebe Mutter Suu" und trugen rote Fahnen, die Farbe von Suu Kyis NLD.

In Naypyidaw posierten Dutzende von Mitarbeitern verschiedener Ministerien mit roten Bändern für Gruppenfotos. Nach Angaben der Assistance Association for Political Prisoners (AAPP) wurden bislang mehr als 130 Beamte und Abgeordnete festgenommen.

Die Polizei in Mandalay, der zweitgrößten Stadt Myanmars, nahm mehr als 20 Menschen fest, weil sie auf Töpfe und Pfannen schlugen. Sie wurden am Freitag zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt, weil sie gegen das Gesetz zur Störung der öffentlichen Ordnung verstoßen hatten. Eine sogenannte "Bewegung des zivilen Ungehorsams" hat sich im Internet formiert und ruft die Öffentlichkeit dazu auf, jede Nacht durch das Schlagen von Töpfen und Pfannen ihren Unmut zu äußern.

Um den Protest im Keim zu ersticken, befahl das Militär den Telekommunikationsanbietern des Landes, den Zugang zu Facebook zu kappen, dem Hauptkommunikationsmittel der Myanmarer. Die Menschen wechselten deshalb zuletzt vermehrt zu Twitter oder begannen, VPN-Dienste zu nutzen, um die Blockade zu umgehen.

mkü/ju