Parlamentswahlen in Angola leiten nach 38 Jahren Wechsel im Präsidentenamt ein

José Eduardo dos Santos (l.) und João Lourenço

Im südwestafrikanischen Angola sind am Mittwoch Parlamentswahlen angelaufen, die nach fast 40 Jahren einen Wechsel im Präsidentenamt einleiten sollen. Als Wahlsiegerin dürfte die MPLA-Partei des scheidenden Staatschefs José Eduardo dos Santos aus dem Urnengang hervorgehen. Dos Santos steht seit 1979 an der Staatsspitze der früheren portugiesischen Kolonie. Der 74-jährigen scheidende Präsident will nach der Wahl sein Amt abgeben und hat Ex-Verteidigungsminister Joao Lourenco als Nachfolger nominiert.

In Angolas Verfassung ist keine Präsidentenwahl vorgesehen. Das höchste Staatsamt fällt demnach dem Spitzenkandidaten jener Partei zu, die als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen hervorgeht. Die MPLA regiert in Angola seit der Unabhängigkeit von Portugal 1975. Zwischen 1975 und 2002 wurde in Angola ein Bürgerkrieg geführt, in dem die Unita-Partei des jetzigen Oppositionsführers Isaias Samakuva unterlag.

Als großer Erdöl-Lieferant hat Angola lange Jahre von hohen Öleinnahmen profitiert. Das Geld kam aber nur in sehr beschränktem Umfang den rund 28 Millionen Einwohnern des Landes zugute. Sinkende Ölpreise verursachten in den vergangenen Jahren eine hohe Inflation und einen Verfall der Landeswährung. Von der weithin spürbaren Unzufriedenheit in der Bevölkerung dürften die Unita und die ebenfalls oppositionelle Casa-CE profitieren. Bei der Parlamentswahl vor fünf Jahren erhielt die MPLA 72 Prozent der Stimmen.

Dos Santos' Tochter Isabel leitet das staatliche Ölunternehmen Sonangol. Sie wurde vom US-Magazin "Forbes" mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden Dollar als reichste Frau Afrikas gelistet. Der scheidende Präsident will bis 2022 an der Spitze der MPLA bleiben. Durch bereits beschlossene Gesetze ist Dos Santos weitgehend vor juristischer Verfolgung geschützt.