Parlamentswahl in Marokko von Betrugsvorwürfen überschattet

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Überschattet von Vorwürfen des Wahlbetrugs haben die Menschen in Marokko am Mittwoch ein neues Parlament gewählt. "Wir sind sehr besorgt", teilte die seit 2011 regierende gemäßigt islamistische Partei für Recht und Gerechtigkeit (PJD) mit. "Wir haben mehrere Unregelmäßigkeiten festgestellt." Die Wahlbeteiligung lag bis 17.00 Uhr Ortszeit bei nur 36 Prozent.

Die PJD berichtete von "Bargeldverteilungen" in der Nähe von Wahllokalen und "Verwirrung" bei einigen Wählerverzeichnissen, in denen manche Wähler nicht aufgeführt waren. Die Partei forderte ein "schnelles und transparentes" Eingreifen der Behörden, um "die Transparenz der Wahlen nicht zu beeinträchtigen".

Die PJD hofft bei der Abstimmung erneut auf ein gutes Abschneiden. Den Regierungschef in Marokko stellt die stärkste Fraktion im Parlament. Ernannt wird er von König Mohammed VI., der in dem Land mit 36 Millionen Einwohnern die wichtigsten politischen Entscheidungen trifft.

Experten hatten zuvor bereits mit einer niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet. Schon bei der letzten Abstimmung vor fünf Jahren hatte die Beteiligung bei lediglich 43 Prozent gelegen. Die Zeitung "L'Economiste" bezeichnete die Wahlbeteiligung als Hauptthema der Abstimmung - und rief die 18 Millionen Wähler dazu auf, ihr Kreuzchen zu machen. "Alle zur Wahl!", titelte sie.

Der Wahlkampf war von Vorwürfen der illegalen Wahlkampffinanzierung und des Stimmenkaufs dominiert, inhaltliche Themen blieben dabei im Hintergrund. In den letzten Tagen vor der Abstimmung hatten sich die PJD und ihre wichtigste Rivalin, die Unabhängige Nationalversammlung (RNI), einen heftigen Schlagabtausch geliefert.

Die PJD war im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 an die Macht gekommen. Neben ihr und der RNI konkurrieren nach Einschätzung marokkanischer Medien die liberale Partei für Ehrlichkeit und Modernität (PAM) und die Mitte-Rechts-Partei Istiqlal um den ersten Platz.

fwe/noe

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