Parkordnung: Uneins über die "Brötchentaste"

In Lindenthal und Ehrenfeld wird über das 15-minütige Gratisparken diskutiert

Lindenthal/Ehrenfeld. Die "Brötchentaste" ist im Kölner Westen zwar nicht unbedingt in aller Munde. Aber es wurde in den zurückliegenden Jahren schon immer wieder mal über die Möglichkeit geredet, am Parkscheinautomaten ein Gratis-Billett für 15 Minuten ziehen zu können, um eine kleine Besorgung machen zu können. Das kann der Brötcheneinkauf sein, aber auch die Begleitung einer auf Hilfe angewiesenen Person in eine Arztpraxis.

Auffallend ist, dass im Bezirk Lindenthal mehr, in Ehrenfeld weniger über diese Möglichkeit gesprochen wurde. "Ja, wir haben in der Vergangenheit darüber diskutiert und auch schon einmal konkret 2009 und 2011 mehrheitlich Anträge dazu beschlossen", sagt die Lindenthaler Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU). Obwohl es immer ein Thema ihrer Partei gewesen sei, habe sie inzwischen Zweifel, ob die Idee ein Allheilmittel sein könne. "Wir müssen uns das ganz genau anschauen, daher ist es schon mal gut, dass die Zuständigkeit bei uns in der Bezirksvertretung liegt."

Am Montag, 18. September, sollen die Lindenthaler darüber entscheiden, ob die Regelung auf der Dürener Straße in Lindenthal und der Aachener Straße in Braunsfeld eingeführt werden soll. Doch auch aus Sülz und Klettenberg werden Ansprüche angemeldet: "Für die Sülzburg-, die Berrenrather und die Luxemburger Straße wäre das auch gut", sagt Hans-Josef Schulte, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft ISK Carree.

In Ehrenfeld steht das Thema am Montag, 11. September, auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung. Hier stehen Teile der Venloer Straße in Ehrenfeld und Bickendorf sowie die Landmannstraße in Neuehrenfeld zur Debatte.

Für die SPD-Fraktion sagt Vorsitzende Petra Bossinger: "Vielleicht setzen unsere Einzelhändler darauf, dass Kunden, die nicht ständig auf die Uhr gucken, entspannter einkaufen und ihnen mehr Umsatz bescheren. Sollten die Geschäftsleute dort die Brötchentaste haben wollen, werden wir uns dem nicht entgegen stellen. Vielleicht würde durch die Einführung auch das Parken auf den Fahrradschutzstreifen abnehmen. Wichtig wäre dann aber, dass das Ordnungsamt noch häufiger kontrolliert."

Die CDU wolle es auch nicht ablehnen, sagt Bezirksvertreterin Jutta Kaiser. Sie sehe aber viel Bedarf an Überwachung, sollte die Regelung beschlossen werden. "Das würde erhebliche zusätzliche Kosten verursachen", so Jutta Kaiser. Auch FDP/Piraten-Vertreterin Marlis Pöttgen zählt zu den Befürwortern.

Ein klares "Nein" kommt dagegen von Grünen, Linkspartei und der Gruppe Deine Freunde. "Die Brötchentaste ist ja so was von von gestern", sagt Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Martin, "schon alleine der Name. Wer fährt denn mit dem Auto zum Brötchenkaufen?" Es sei eine Ermunterung, das Auto zu benutzen. Das wolle man nicht.

Auch Linken-Fraktionsvorsitzender Berndt Petri ist dagegen: "Das bringt nur zusätzlichen Verkehr auf die Venloer Straße. Das lehnen wir ab."

Was halten Sie von der Einführung der Brötchentaste?

Die Brötchentaste alleine reicht für die Aachener Straße nicht aus. Wir wollen seit Jahren ein neues Parkkonzept mit mehr Stellplätzen. Die Bebauung des Braunsfelder Markts wird die Not verschärfen.

Ines Buschmann

Das wäre - nicht nur für Ehrenfeld - eine fantastische Sache. Es brächte viel Entspannung. Die Kunden fühlen sich doch nicht wohl als Gesetzesbrecher, wenn sie nur kurz ohne Parkschein parken.

Heribert Schamong

Für die Landmannstraße sehe ich keinen großen Fortschritt. Es darf ja auf einer Straßenseite frei geparkt werden. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Ladezonen, wo mancher ja kurzzeitig parkt.

Ruth Schnüttgen-Bruns

Es lohnt sich bestimmt, es auf der Dürener Straße auszuprobieren. Der schnelle Einkauf wird vereinfacht. Hier ist das Parken in zweiter Reihe ein großes Problem. Das könnte also etwas Entspannung bringen.

Georg Hempsch

Umrüstung kostet Geld

Sechs Prozent beträgt der Ertragsrückgang bei den Gebühren seit Einführungen des 15-minütigen Freiparken auf der Severinstraße. Die Umrüstung kostet pro Automat etwa 235 Euro.

Im Bezirk Ehrenfeld erwartet die Verwaltung daher einen jährlichen Einnahmeausfall von 17 431 Euro durch die Einführung der Brötchentaste.

Im Bezirk Lindenthal würde er bei 27 242 Euro liegen. Alle Stadtbezirke zusammengenomen wäre mit jährlich 100 000 Euro weniger zu rechnen. (Rös)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta