Paritätischer verurteilt Aufnahmestopp für Migranten bei Essener Tafel scharf

Essensausgabe der Münchener Tafel

Der Paritätische Gesamtverband hat die Essener Tafel scharf für ihre Entscheidung kritisiert, wegen der vielen Flüchtlinge unter ihren Besuchern derzeit nur noch Deutsche neu aufzunehmen. Dies laufe auf eine "ethnische Diskriminierung hinaus und ist völlig inakzeptabel", erklärte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider am Freitag in Berlin. Diese Praxis müsse sofort beendet werden. Es gebe genug andere Beispiele in der Praxis, wie man in einer solchen Situation auch anders agieren könne.

"Hilfe für Menschen in Not von Herkunft und Ethnie abhängig zu machen - das geht gar nicht", fügte Schneider hinzu. Offensichtlich sei der von ehrenamtlichem Engagement getragene Verein angesichts einer großen Zahl an Bedürftigen überfordert. Auch die Politik, sowohl kommunal als auch auf Bundesebene, sei nun in der Pflicht: "Die Verantwortlichen vor Ort, Tafel, Kommune, nach Möglichkeit auch die Wohlfahrtsverbände, müssen sich umgehend an einen Tisch setzen und Maßnahmen erarbeiten, wie die Situation in Essen gelöst werden kann."

Der Vorsitzende des Dachverbands Tafel Deutschland, Jochen Brühl, sagte im ARD-"Morgenmagazin", der Essener Fall zeige die "Hilfslosigkeit und Überforderung" von Tafeln. Not und Bedürftigkeit stünden bei den Tafeln immer im Vordergrund, nicht die Herkunft. In Essen sei kein Rassismus am Werk, sondern "da wird gerade die Notbremse gezogen", sagte Brühl unter Verweis auf die Tatsache, dass 75 Prozent der Kunden dort Migranten seien. Er halte dies nicht für den richtigen Weg, vielmehr müssten Gespräche darüber geführt werden, wie das Problem gelöst werden könne.