Pariser Elitehochschule zu Gedenktag von Mai 1968 geschlossen

Bereitschaftspolizisten vor der Pariser Elitehochschule

Zum 50. Jahrestag der Pariser Studentenproteste haben Demonstranten eine der Elitehochschulen des Landes besetzt. Die Ecole normale supérieure (ENS) blieb am Donnerstag geschlossen, wie die Universitätsleitung mitteilte. Frankreichs Studierende protestieren seit Wochen gegen die geplante Hochschulreform von Präsident Emmanuel Macron, mit der aus ihrer Sicht der Zugang zur höheren Bildung erschwert wird.

ENS-Rektor Marc Mézard begründete die Schließung der Universität damit, dass die Sicherheit der Studierenden nicht gewährleistet sei. Die Elitehochschule mit Schwerpunkt in den Geistes- und Naturwissenschaften zählt unter anderen die Philosophen Jean-Paul Sartre und Michel Foucault zu ihren Absolventen.

Am Mittwochabend hatten sich in der ENS rund 500 Studierende und Intellektuelle gegen einen restriktiveren Zugang zu Frankreichs Hochschulen ausgesprochen, mehrere Dutzend Teilnehmer harrten die Nacht über in dem Gebäude aus. Die Bereitschaftspolizei CRS sperrte daraufhin am Donnerstagmorgen die Hochschule in der Rue d'Ulm ab.

Die Aktion nimmt ein historisches Schlüsseldatum zum Anlass: Am 3. Mai 1968 hatte die Polizei die von Studenten besetzte Pariser Sorbonne geräumt. Daraufhin kam es zu Straßenschlachten und dem bisher größten Generalstreik in der Geschichte Frankreichs mit bis zu zehn Millionen Teilnehmern.

Im Zuge der Studentenproteste in diesem Frühjahr wurden mehrere Universitäten zeitweise besetzt; derzeit sind davon noch drei der 73 Universitäten des Landes betroffen. Darunter ist auch die Hochschule in Nanterre bei Paris, an der die Demonstrationen im Frühjahr 1968 ihren Ausgang nahmen.