Paris weitet Fahrverbot aus

Das Fahrverbot für Diesel ist längst beschlossene Sache, nun will Paris auch die Benziner aus der Innenstadt verdrängen. Die Franzosen könnten damit zum Vorbild für andere Städte werden.


Heute knattern sie noch. Rund um den legendären Kreisverkehr am Arc de Triomphe kreiseln täglich tausende Autos mit Diesel- und Benzinmotoren und sorgen für die typisch erhöhte Pariser Geräuschkulisse. Geht es nach den Verantwortlichen der Stadt, soll das ein Bild der Vergangenheit sein.

Schon vor einiger Zeit hatte die Stadt entschieden, Dieselautos zum Jahr 2024 aus der Stadt zu verbannen – pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen. Ab 2030 sollen nun auch keine Benzinautos mehr in der französischen Hauptstadt erlaubt sein, heißt es von den Verantwortlichen aus dem Bürgermeisteramt.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo macht schon lange mobil gegen Benzin- und Diesel-Autos in der Stadt, setzt auf den öffentlichen Verkehr, Elektroautos und die Leihfahrräder Velib. Hidalgo hatte sich schon viel Kritik eingehandelt, als er die Schnellstraßen unten an der Seine teilweise gesperrt hatte. Denn laut Studien hat die Umweltverschmutzung durch die partiellen Fahrverbote nicht abgenommen. Im Gegenteil: Weil die Autos stattdessen oberhalb der Seine oder auf anderen größeren Straßen im Stau standen, verlagerte sich die Belastung.

„Die Zeit drängt“, kommentierte Christophe Najdovski, stellvertretender Bürgermeister von Paris und verantwortlich für den Verkehr, die neue Maßnahme. Viele Pariser wären von dem Verbot auch gar nicht betroffen: Mehr als 60 Prozent haben gar kein Auto. Insofern wäre das Vorhaben für Hidalgo nicht schwer umzusetzen. Schwieriger wird es für die Pendler, die aus dem Umland in die französische Hauptstadt fahren.


Für die Bewohner der Vororte wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche neue öffentliche Transportmittel im Rahmen des Plans „Grand Paris“ geschaffen, der Paris und die Vororte verbindet. Geplant sind auch Parkplätze am Stadtrand von Paris. Damit soll den Pendlern das Verbrenner-Verbot schmackhaft gemacht werden.

Der Plan, Verbrenner aus der Stadt zu verbannen, begründet die Verwaltung mit einer Warnung des öffentliche Beobachtungsinstitutes für Gesundheitsfragen. „Santé publique France“ hatte in einer Untersuchung festgestellt, dass die Luftverschmutzung mittlerweile als dritthäufigste Todesursache in Frankreich gilt.

Nicht nur die Luftqualität in Paris, auch der Klimaschutz rückt in den Fokus der Politiker. International wirbt Präsident Emmanuel Macron immer wieder für das Pariser Klimaabkommen. Seine Kommunen sieht er in der Pflicht. „Wenn man die extremen Klimaveränderungen sieht, liegt es auch in der Verantwortung der Städte, Maßnahmen zu ergreifen“, stimmt der Pariser Vize-Bürgermeister Najdovski zu.

Die Bürgermeister der verschiedenen Arrondissements sollen am 5. und 6. November über den Vorstoß gegen Benzinautos diskutieren, im Stadtrat von Paris soll am 20. November darüber debattiert werden. Paris steht in Frankreich mit seinen Umweltbedenken nicht allein. Zum Schutz der Umwelt sollen nach Plänen der Regierung ab 2040 in ganz Frankreich Diesel- und Benzinautos verboten werden. Die Hauptstadt soll vorangehen.


Bislang sind die Franzosen beim Kauf von Elektroautos noch zurückhaltend – trotz der Verbotsdiskussion und immenser staatlicher Kaufprämien. 95,2 Prozent der Franzosen haben im ersten Halbjahr 2017 noch Diesel- und Benzinautos gekauft, wobei 47,9 Prozent einen Diesel wählten. Reine Elektroautos machen bisher nur 1,2 Prozent der Anmeldungen aus, Hybrid-Fahrzeuge kommen auf einen Anteil von 3,5 Prozent.

Auch im Jahr 2030 dürften weltweit noch 40 bis 51 Prozent aller Fahrzeuge mit Benzinmotor unterwegs sein, sagen Analysten von Roland Berger, BCG oder IHS voraus. Diesel dürfte dann mit 15 Prozent eine untergeordnete Rolle bei den weltweiten Verkäufen spielen.

In den Metropolen der Welt dürfte darum mit Interesse verfolgt werden, welche Folgen das Verbot von Verbrennungsmotoren am Ende haben wird. In Metropolen wie London und Amsterdam wird längst ebenfalls über ein frühzeitiges Verbrenner-Verbot nachgedacht.