Paris und London wollen neues Abkommen zur Grenzsicherung schließen

Für den Grenzschutz in Calais bekommt Frankreich von Großbritannien weitere 50 Millionen Euro. Mit dem Geld werde die Sicherheit der britischen Grenze verbessert, sagte eine Regierungssprecherin in London vor einem Gipfeltreffen

Frankreich und Großbritannien wollen ein neues Abkommen zur Grenzsicherung gegen Flüchtlinge schließen. Das Büro von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte am Mittwoch in Paris an, der neue Vertrag werde am Donnerstag beim Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May in Sandhurst besiegelt. Nach Angaben des Élysée-Palastes hat London Paris größere Finanzhilfen in Aussicht gestellt.

In dem Abkommen sind nach französischen Angaben auch beschleunigte Verfahren für die Familienzusammenführung und zur Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen in Großbritannien vorgesehen.

Das hatte Macron am Dienstag bei einem Besuch in der Hafenstadt Calais angedeutet, von der aus die meisten Flüchtlinge nach Großbritannien zu gelangen versuchen. Für London ist das neue Abkommen wichtig, da nach dem Brexit die Grenze zur EU durch den Ärmelkanal verläuft.

Das neue Abkommen soll den 15 Jahre alten "Vertrag von Touquet" ergänzen, den Frankreich und Großbritannien 2003 in dem französischen Badeort schlossen. Er ermöglichte erstmals gemeinsame Grenzkontrollen in den Häfen beider Länder.

In weiteren Vereinbarungen aus den Jahren 2009, 2010 und 2014 verpflichtete sich Frankreich, Grenzübertritte von Flüchtlingen nach Großbritannien zu verhindern - vor allem in der Umgebung des Eurotunnels in Calais. Kritiker argumentieren, faktisch habe sich damit die britische Grenze nach Frankreich verschoben.