Paris schießt Bayern aus Europas Elite

Sportinformationsdienst (SID), Martin Volkmar, Stefan Kumberger, Robin Wigger
Niklas Süle und David Alaba zahlten reichlich Lehrgeld

Arjen Robben fand nach der demütigenden 0:3 (0:2)-Niederlage des FC Bayern München bei Paris Saint-Germain in der Champions League klare Worte.

"Dass wir 3:0 in der Champions League verlieren, das sind wir nicht gewohnt. Das ist nicht der FC Bayern", sagte der Niederländer, der zu Spielbeginn überraschend auf der Bank gesessen hatte, bei Sky.

Das Star-Ensemble aus Paris zeigte den Bayern im Prestigeduell schonungslos die Grenzen auf. Von Europas Elite ist der FCB derzeit ein Stück weit entfernt, wie auch Karl-Heinz Rummenigge auf dem Bankett verdeutlichte.


"Diese Mannschaft heute Abend war nicht der FC Bayern. Wir müssen schnellstens wieder zu dem FC Bayern werden, der in Europa und in Deutschland für Furore sorgt", sagte der Vorstandsvorsitzende.


Kahns Kritik: "Erkenne keinen Plan"

Der Abend hatte in der überraschenden Aufstellung von Carlo Ancelotti seinen Anfang, nahm mit einem frühen Gegentreffer seinen Lauf und endete in einer Lehrstunde der Millionen-Männer Neymar und Kylian Mbappe.


Den angestrebten Gruppensieg hat der FCB, der mit den Gegentoren von Dani Alves (2.), Edinson Cavani (31.) und Neymar (63.) noch gut bedient war, vorerst aus den Augen verloren. Und Ancelotti steht nach einem Spiel, in dem er sich mit seiner Aufstellung glatt verzockte, ein heißer Herbst bevor (Ergebnisse und Spielplan der Champions League).

"Wir sind hier bei Bayern München. Wenn du 0:3 verlierst, sind Diskussionen immer da", sagte Joshua Kimmich. Bayern-Legende Oliver Kahn ging im ZDF hart mit dem Team und Ancelotti ins Gericht: "Ich kann keinen (Plan, Anm. d. Red.) erkennen. Beim 1:0 und 3:0 siehst du deutlich, dass keine Idee vorhanden ist."


Kimmich kritisiert Ausstrahlung

Dani Alves entblößte früh die Mängel in der Münchner Abwehr, in der Niklas Süle und Javi Martinez anstelle von Mats Hummels und Jerome Boateng verteidigten. Nicht zum ersten Mal präsentierte sich der deutsche Rekordmeister in der Anfangsphase unaufmerksam.

"Wir müssen in der Anfangsphase besser in die Zweikämpfe gehen. Da müssen wir dem Gegner zeigen, dass wir von Anfang an da sind und eine andere Ausstrahlung an den Tag legen", kritisierte Kimmich.

Cavani legte bei einem der rasend schnellen Konter, bei denen PSG auch das Münchner Mittelfeld mit den indisponierten Corentin Tolisso, Thiago und Arturo Vidal förmlich überrannte, eiskalt nach. Und auch Neymar ließ die Bayern aussehen wie eine Schülermannschaft (Die Tabelle der Gruppe A).


Während die Münchner, bei denen Franck Ribery und bis zur 68. Minute auch Arjen Robben lediglich auf der Bank saßen, in ihren Offensivaktionen über James und Thomas Müller zu bieder und statisch waren, setzte PSG die Strategie von Trainer Unai Emery mit Witz und Schnelligkeit um.

Dem Tempo der flinken Neymar und Mbappe, die den ersten sowie den zweiten und dritten Treffer vorbereiteten, hatten die Münchner nichts entgegenzusetzen (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Ancelotti überrascht mit Aufstellung

Was immer sich Ancelotti bei der Aufstellung gedacht hatte - nach nicht einmal eineinhalb Minuten waren seine Pläne schon obsolet: Dani Alves kam in den Strafraum gerauscht, sah dort nur Sven Ulreich vor sich - 1:0.

"Ich denke nicht, dass die Aufstellung zu riskant war. Für mich war es die beste Aufstellung. Letztlich werde ich dafür kritisiert, aber das ist okay", sagte Ancelotti.

So früh hatten die Bayern in der Königsklasse erst einmal einen Gegentreffer kassiert, im Heimspiel gegen Manchester United am 30. März 2010 traf Wayne Rooney ebenfalls in der 2. Minute, am Ende gewann Bayern noch 2:1.

Kurzzeitig sah es nach dem frühen Gegentreffer auch diesmal so aus, als sollten sich die Bayern noch berappeln. James (11.) und Müller (12.) hatten gute Chancen, den Schuss von Martinez parierte PSG-Torhüter Alphonse Areola (19.).

PSG-Konter überrollen Bayern

Allerdings: Die Bayern blieben bei aller optischen Überlegenheit durchschaubar in ihren Aktionen - und vor allem anfällig für Konter, bei denen es ihnen dann meist zu schnell ging. 222-Millionen-Mann Neymar und 180-Millionen-Mann Mbappe waren kaum einzubremsen.


Auch die Wechsel von Ancelotti zur Halbzeit brachten nichts - außer wohl weiteren Unmut bei Ribery und Robben, denn für James und Vidal kamen Kingsley Coman und Sebastian Rudy. Neymar und Mbappe konnten sich weiter nach Herzenslust austoben.