Papst räumt "schwere Fehler" im Umgang mit Missbrauchsskandal in Chile ein

Papst Franziskus hat "schwere Fehler" im Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der chilenischen katholischen Kirche eingeräumt. In einem am Mittwoch vom Vatikan veröffentlichten Brief an 32 chilenische Bischöfe äußert Franziskus die Absicht, die Kirchenmänner zu Beratungen nach Rom einzuladen. Franziskus bekundet in dem Schreiben "Scham" und "Schmerz" angesichts des Leidens der Missbrauchsopfer.

"Ich habe schwere Fehler bei der Einordnung und meiner Wahrnehmung der Situation gemacht", schrieb Franziskus und führte dies vor allem auf mangelnde Informationen zurück. Dabei geht es um eine mutmaßliche Vertuschung von Missbrauchsfällen.

Im Zentrum der Affäre steht der chilenische Bischof Juan Barros, der den früheren Priesterausbilder Fernando Karadima gedeckt haben soll. Karadima war 2010 von der Vatikanjustiz wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gesprochen worden. Papst Franziskus erwähnte Barros in seinem Schreiben nicht namentlich.

Er hatte Barros 2015 trotz der Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt. Bei seinem Besuch in Chile nahm er den Bischof im Januar öffentlich in Schutz. Ein Sonderermittler führte im Februar Gespräche mit Missbrauchsopfern.

Wie in zahlreichen anderen Ländern sieht sich die katholische Kirche auch in Chile mit Skandalen um sexuellen Missbrauch konfrontiert. Nach Angaben der US-Organisation Bishop Accountability wurden seit dem Jahr 2000 Vorwürfe gegen rund 80 chilenische Geistliche erhoben.