Papst Franziskus warnt in Bahrain vor Welt am "Abgrund"

Papst Franziskus hat am zweiten Tag seines Besuchs in Bahrain bei interreligiösen Gesprächen davor gewarnt, dass die Welt am Rande eines "heiklen Abgrunds" stehe. Das 85-jährige Oberhaupt der katholischen Kirche beklagte am Freitag bei einer Rede vor Religionsführern in dem kleinen Golfstaat "gegnerische Blöcke" im Osten und Westen.

"Wir befinden uns weiterhin am Rande eines heiklen Abgrunds und wir wollen nicht herunterfallen", sagte Franziskus vor einem Publikum, dem der bahrainische König angehörte sowie der Scheich Ahmed al-Tajeb, der Großimam der prestigeträchtigen Al-Aschar-Moschee in Kairo. "Einige Machthaber sind in einem entschiedenen Kampf für Parteiinteressen gefangen, beleben veraltete Rhetorik neu, gestalten Einflusssphären und gegnerische Blöcke neu", fügte er hinzu.

"Wir scheinen einem dramatischen und kindischen Szenario beizuwohnen", sagte der Pontifex weiter. "Statt unsere Umgebung im Garten der Menschheit zu pflegen, spielen wir mit Feuer, Raketen und Bomben." Franziskus, der wegen anhaltender Knieprobleme auf einen Rollstuhl angewiesen ist, will mit seiner viertägigen Visite in dem kleinen Königreich am Persischen Golf den Dialog zwischen dem Islam und der katholischen Kirche fördern.

Später traf er sich unter anderem im Privaten mit al-Tajeb, mit dem er im Jahr 2019 in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein muslimisch-christliches Manifest für Frieden unterzeichnet hatte. Al-Tajeb rief am Freitag auch zu Gesprächen zwischen den islamischen Hauptglaubensrichtungen, den Sunniten und den Schiiten, auf.

Am Nachmittag leitete Franziskus eine ökumenische Messe in einer neuen Kathedrale nahe der Haupstadt Manama. Anders als bei den meisten seiner Programmpunkte traf er sich hier nicht mit ranghohen Offiziellen: Hunderte Arbeitsmigranten nahmen teil.

oer/lan