Papst Franziskus trifft in Myanmar De-facto-Regierungschefin Suu Kyi

Papst Franziskus und Myanmars Präsident Htin Kyaw (r.)

Bei seinem Besuch in Myanmar ist Papst Franziskus am Dienstag mit De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi zusammengetroffen. Beobachter erwarten, dass der Papst bei dem 45-minütigen Gespräch in der Hauptstadt Naypyidaw die Flüchtlingskrise um die muslimische Rohingya-Minderheit ansprechen wird. Die Friedensnobelpreisträgerin und langjährige Oppositionsführerin Suu Kyi steht wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise international in der Kritik.

Zuvor war Franziskus im Präsidentenpalast von Präsident Htin Kyaw empfangen worden, einem engen Vertrauten Suu Kyis. Nach dem Treffen mit Suu Kyi wird der Papst vor Vertretern der Zivilgesellschaft und Diplomaten eine Rede halten.

Franziskus war am Montag als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche zu einem Besuch in Myanmar eingetroffen. Die Reise gilt wegen Rohingya-Krise als heikel. Franziskus hat sich in den vergangenen Monaten mehrmals besorgt über die Verfolgung der Rohingya geäußert.

Am Montagabend traf er in Rangun bereits den mächtigen Armeechef Min Aung Hlaing, der für das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Rohingya verantwortlich gemacht wird. Der General wies bei dem Treffen alle Berichte über deren Diskriminierung zurück.

Die muslimischen Rohingya werden im mehrheitlich buddhistischen Myanmar seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt. Ende August war der Konflikt eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit brutaler Gegengewalt.

Seither wurden durch das Militär hunderte Rohingya getötet, rund 620.000 Rohingya flüchteten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Die UNO und Menschenrechtsorganisationen sprechen von "ethnischen Säuberungen". Von Rangun aus fliegt Franziskus am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch nach Bangladesch weiter.