Katholische Kirche gedenkt Benedikt XVI. mit Messen und anderen Gesten

Nach dem Tod von Benedikt XVI. gedenkt die katholische Kirche des früheren deutschen Papstes mit Messen, Gebeten und anderen Gesten. Papst Franziskus würdigte den am Vortag verstorbenen "geliebten emeritierten Papst" in seiner Neujahrsmesse im Petersdom. In Deutschland wurden das Auslegen von Kondolenzbüchern und ein Requiem im Münchner Liebfrauendom angekündigt. Der Leichnam des 95-jährigen früheren Papstes wurde am Sonntag in seiner Residenz im Vatikan aufgebahrt.

Papst Franziskus betete im Petersdom mit Blick auf das an Neujahr begangene Hochfest der Gottesmutter dafür, dass die Heilige Maria Benedikt XVI. "von dieser Welt zu Gott begleitet".

Später, als er sein Angelus-Gebet vor tausenden Menschen auf dem Petersplatz sprach, verneigte sich Franziskus in einer Schweigeminute zum Gedenken an den verstorbenen Pontifex. "Wir alle schließen uns einmütig mit einem Herz und einer Seele zusammen, um Gott für das Geschenk dieses treuen Dieners des Evangeliums und der Kirche Dank zu sagen", sagte er.

Benedikt war am Samstag im Alter von 95 Jahren gestorben. Gekleidet in ein rot-goldenes Gewand und mit goldumrandeter Mitra auf dem Kopf wurde er am Sonntag zunächst in der Hauskapelle seiner Residenz im Vatikan, dem Kloster Mater Ecclesiae, aufgebahrt.

Ab Montag wird der Leichnam dann im Petersdom aufgebahrt. Die Trauermesse für Benedikt XVI., geleitet von Papst Franziskus, wird am Donnerstag auf dem Petersplatz stattfinden. Danach wird Benedikt XVI. in der Krypta des Petersdoms beigesetzt.

Am Wochenende gedachten Gläubige im Vatikan des früheren Papstes. Die italienische Lehrerin Paola Filippa sagte, Benedikt XVI. sei "ein einfacher, demütiger und großer Mann" gewesen. "Groß im Glauben, Leben, in Einfachheit und Liebe."

In Jerusalem rief der dortige oberste Vertreter der katholischen Kirche, Pierbattista Pizzaballa, alle Kirchen und Klöster auf, die Glocken für Benedikt XVI. zu läuten und für ihn zu beten.

Der Tod von Benedikt XVI. löste weltweit betroffene Reaktionen aus, die sich auch mit seinem Umgang mit den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche befassten. Er war der erste Papst, der sich für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche entschuldigte und sich mit Opfern traf.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob in hervor, Benedikt habe "um das große Leid der Opfer und den immensen Schaden für die Glaubwürdigkeit der Kirche" gewusst.

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, erklärte, Benedikt XVI. habe im Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche einen "Umbruch" eingeleitet. Bätzing betonte aber auch, es seien Fragen offen geblieben - und Benedikt sei "mit diesen Fragen in die Ewigkeit Gottes gegangen".

In der Vergangenheit war der Umgang von Benedikt XVI. mit dem Missbrauchsskandal immer wieder als zu zögerlich kritisiert worden. In seinem bereits 2006 verfassten geistlichen Testament, das nun posthum veröffentlicht wurde, schrieb Benedikt XVI.: "Alle, denen ich irgendwie Unrecht getan habe, bitte ich von Herzen um Verzeihung."

In dem Vermächtnis dankte der deutsche Geistliche Gott zudem für seine "schöne Heimat im bayerischen Voralpenland" und seine Weggefährten. In seiner Heimat Bayern wird des Verstorbenen am Dienstagabend mit einem feierlichen Requiem im Münchner Liebfrauendom gedacht, wie die Erzdiözese München und Freising mitteilte.

Weitere Gedenkorte gibt es im Freisinger Mariendom und in der Pfarrkirche St. Oswald in Traunstein - dort hatte der spätere Papst Joseph Ratzinger im Jahr 1951 nach seiner Priesterweihe seine erste Heilige Messe gefeiert.

In Marktl am Inn, wo Ratzinger 1927 zur Welt gekommen war, wurde die Flagge am Rathaus auf Halbmast gesetzt ebenso wie an allen Behördengebäuden in Bayern. In der Apostolischen Nuntiatur in Berlin, der diplomatischen Vertretung des Heiligen Stuhls in Deutschland, sowie im Limburger Dom und am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn liegen ab Montag Kondolenzbücher aus.

Benedikt XVI. hatte 2005 die Nachfolge von Papst Johannes Paul II. angetreten. Am 11. Februar 2013 trat er in einem höchst ungewöhnlichen Schritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er war damit der erste Papst seit 1415, der das Amt als Oberhaupt der katholischen Kirche abgab. Seit seinem Amtsverzicht lebte der emeritierte Papst zurückgezogen in einem Kloster im Vatikan.

Auch Papst Franziskus, der seit Monaten unter Schmerzen im Knie leidet, schließt einen Rücktritt nicht aus. Zur Neujahrsmesse im Petersdom erschien er in einem Rollstuhl.

yb/dja