Franziskus spricht Rohingya doch noch direkt an

Rohingya-Flüchtlinge kommen zur Residenz des Erzbischofs in Dhaka, um Papst Franziskus zu treffen und ihm von ihrer Geschichte zu berichten. Foto: Max Rossi/Pool Reuters

Fast bis zum letzten Tag hat sich der Papst Zeit gelassen. In Bangladesch benutzt er nun doch noch das Wort «Rohingya» und trifft die Verfolgten. Doch im entscheidenden Moment wird über seinen Akzent gerätselt.

Dhaka (dpa) - Jetzt hat er es doch gesagt: Nach tagelanger Kritik hat Papst Franziskus auf seiner Asienreise doch noch das Wort «Rohingya» benutzt und ist direkt auf das Leid der verfolgten Flüchtlinge eingegangen.

In Bangladesch bat er die Angehörigen der muslimischen Minderheit aus Myanmar um Vergebung für die Gewalt, die sie erlitten haben. «Im Namen aller, die Euch verfolgt haben, die euch weh getan haben, vor allem für die Gleichgültigkeit der Welt, bitte ich um Vergebung», sagte er nach einem Treffen in der Hauptstadt Dhaka mit 16 Rohingya-Angehörigen. «Die Anwesenheit Gottes heißt heute auch Rohingya.»

Von Myanmar - der ersten Etappe der päpstlichen Reise - sind seit August mehr als 620.000 Rohingya vor brutaler Militärgewalt nach Bangladesch geflüchtet. Sie berichteten von Vergewaltigung, getöteten Kindern und niedergebrannten Dörfern. «Wir werden weiter machen, ihnen zu helfen, so dass sie ihr Recht anerkannt bekommen», sagte der Argentinier. «Wir werden nicht unsere Herzen verschließen, wir werden nicht wegschauen.»

In Myanmar werden die Rohingya «Bengalen» genannt, weil sie als Eindringlinge aus Bangladesch angesehen werden. Sie bekommen dort keine Staatsangehörigkeit und werden auch nicht als Ethnie anerkannt. Der Papst war kritisiert worden, weil er das Wort «Rohingya» in Myanmar nicht benutzt hatte, da ihm die katholische Kirche vor Ort davon abgeraten hatte. Das Katholiken-Oberhaupt würde so eine der größten humanitären Krisen der Welt ignorieren, lautete der Vorwurf. Die Vereinten Nationen sprechen in Myanmar - einer ehemaligen Militärdiktatur - von «ethnischer Säuberung».

In Bangladesch war es dann endlich soweit: Die 16 Rohingya waren bei einem interreligiösen Treffen am Freitag auf die Bühne zum Papst gekommen und hatten ihm von ihrem Leid erzählt. Das Katholiken-Oberhaupt sprach mit jedem einzelnen, hielt sie an den Händen und war sichtlich betroffen.

«Der Papst soll Rohingya sagen. Er ist der Anführer der Welt. Er sollte das Wort sagen, weil wir Rohingya sind», sagte Mohammed Ayub vor dem Treffen mit dem Pontifex.

In Bangladesch fiel im entscheidenden Moment dann die Übertragung aus und weder der Englisch- noch der Bengalisch-Dolmetscher übersetzten das Wort «Rohingya». Ob aus politischer Absicht oder aus Versehen blieb unklar. Denn Franziskus nuschelte wie gewöhnlich in seinem argentinischen Akzent, was das Wort nicht eindeutig erkennen ließ. Nach hektischem Rätselraten bestätigte der Vatikan am Ende, dass der Papst nun wirklich «Rohingya» gesagt hatte.