Papst Franziskus entlässt Chef der Glaubenskongregation

Papst Franziskus hat den Chef der mächtigen Glaubenskongregation im Vatikan, den deutschen Kardinal Müller, entlassen. Müllers Amtszeit wird nicht verlängert. Neuer Chef der Glaubenskongregation wird der Spanier Luis Francisco Ladaria Ferrer

Papst Franziskus hat den Chef der mächtigen Glaubenskongregation im Vatikan, den deutschen Kardinal Gerhard Müller, entlassen. Müllers fünfjährige Amtszeit werde nicht verlängert, erklärte der Vatikan am Samstag. Über die Gründe für Müllers Entlassung wurde zunächst nichts bekannt. Neuer Chef der Glaubenskongregation und damit die inoffizielle Nummer zwei in der katholischen Kirchenhierarchie wird der Spanier Luis Francisco Ladaria Ferrer.

Der 69-jährige Müller stand fünf Jahre an der Spitze der Glaubenskongregation. Zwischen ihm und Papst Franziskus hatte es Unstimmigkeiten in zentralen theologischen Fragen gegeben, beispielsweise über den Umgang der Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen. Umstritten war auch Müllers Rolle bei der Aufklärung der Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche. Kritiker werfen der Glaubenskongregation vor, diese behindert zu haben.

Im vergangenen Jahr hatte der Papst in einem Lehrschreiben zu Ehe und Familien empfohlen, wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zuzulassen. Müller und andere konservative Kardinäle hatten von Franziskus daraufhin öffentlich eine Klarstellung verlangt. Im Februar legte Müller in einem Interview nach: Die Ehe sei ein Sakrament, und "keine Macht im Himmel oder auf der Erde, weder ein Engel noch der Papst" hätten die Vollmacht, es zu ändern.

Im März hatte dann die päpstliche Kommission zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche Müllers Rücktritt gefordert. Die irische Betroffene Marie Collins hatte das Gremium zuvor unter Protest verlassen und insbesondere die Glaubenskongregation scharf kritisiert.

Collins kritisierte insbesondere, dass ein von Franziskus gewünschtes Kirchengericht, das die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Bischöfe ahnden soll, immer noch nicht eingerichtet worden sei. Müller entgegnete in einem offenen Brief, ein solches Gericht sei lediglich ein "Projekt" und überdies unnötig.

Müllers "starke Medienpräsenz" habe dem Papst möglicherweise missfallen, schrieb der Vatikan-Experte Andrea Tornielli vom Internetportal "Vatican Insider". Der Deutsche habe sich ständig eingemischt und sich dabei "fast immer so angehört, als würde er sich vom Papst distanzieren".

Müllers Nachfolger, der spanische Kurienerzbischof Ladaria, war zuvor bereits Sekretär der Glaubenskongregation. Der 73-Jährige war 2008 von Papst Benedikt ernannt worden. Papst Franziskus hatte ihn im vergangenen Jahr mit der Leitung einer Expertenkommission zur Rolle von weiblichen Diakonen in der Urkirche beauftragt. Reformer sahen darin einen möglichen ersten Schritt zur Zulassung von Frauen zur Diakonweihe.

Ladaria gehört wie Papst Franziskus dem Jesuitenorden an. Er wurde 1973 zum Priester geweiht und lehrte ab 1984 als Theologieprofessor Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.

Mit Müllers Ablösung endete eine turbulente Woche im Vatikan. Am Donnerstag hatte der Papst Vatikan-Finanzchef George Pell beurlaubt. Pell, die inoffizielle Nummer drei in der Kirchenhierarchie, kündigte seine Rückkehr nach Australien an, um sich Missbrauchsvorwürfen zu stellen.

Zuvor hatten die australischen Behörden gegen den 76-jährigen Kurienkardinal ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs eingeleitet und Pell vorgeladen. Pell weist sämtliche Vorwürfe zurück.