Pappe feiert dank Digitalisierung ihr Comeback!

Benedikt Kaufmann
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Pappe feiert dank Digitalisierung ihr Comeback!

Dank der Digitalisierung kann ein alter Rohstoff auftrumpfen – Papier und insbesondere Pappe boomt. Wer sich fragt, weshalb, sollte einen Blick in die blaue Tonne werfen. Hier findet sich in der Regel nicht nur ein Karton vom Onileversand.

Laut dem Wirtschaftsverband Papierverarbeitung war 2017 erneut ein starkes Jahr für die Papier und Folien verarbeitende Industrie in Deutschland. Obwohl die Menschen weniger Zeitung lesen, Briefe schreiben und Dokumente ausdrucken, wuchs der Umsatz im Vergleich zu 2016 um 2,3 Prozent auf 18,16 Milliarden Dollar. Erstaunlicherweise wird die alte Industrie durch die Digitalisierung angetrieben – Schlagwort E-Commerce. Denn der Onlinehandel führt nicht nur zu überquellenden blauen Tonnen, sondern auch zu einem Boom im Pappe-Business.

Erfolgreiche Übernahmestrategie

Ein Trend, der nicht nur in Deutschland die Nachfrage nach Karton und Pappe antreibt – E-Commerce boomt weltweit. Ein aussichtsreicher Player in der Branche ist WestRock. Der Verpackungshersteller zählt mit einem Jahresumsatz von knapp 15 Milliarden Dollar zu den Marktführern. Entstanden ist der Konzern im Jahr 2015 durch eine Fusion von MeadWestvaco und RockTenn – ein sinnvoller Zusammenschluss. Denn durch Synergieeffekte kann WestRock massiv Kosten sparen. Das Ziel der Konzernführung ist, bis zum dritten Quartal 2018 eine Milliarde Dollar pro Jahr einzusparen.

Die optimierte Kostenstruktur von WestRock führt zu wachsenden Nettogewinnen. Die Analysten erwarten für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg des Nettoertrags um 75 Prozent. Ein enormes Wachstum, das jedoch größtenteils auf die seit Jahresanfang 2017 massiv ansteigenden Pappepreise zurückzuführen ist. Die erfolgreiche Übernahmestrategie setzt das Management jedoch auch nach der Fusion fort. Seit dem Zusammenschluss wurden sieben Zukäufe getätigt. Langfristig will die Unternehmensführung auf diese Weise die EBITDA-Marge im Kerngeschäft Wellpappe von rund 17 Prozent im Jahr 2017 auf 22 Prozent im Jahr 2022 steigern.

Investitionen und Dividende

Doch nicht nur Übernahmen stehen im Fokus – auch organisch soll das Unternehmen wachsen. Hierfür wird insbesondere in wirtschaftlich aussichtsreiche Länder investiert. In Mexiko entsteht eine neue Anlage für Recycling-Pappe und in Brasilien wird eine komplette Fabrik für Wellpappe aufgebaut. Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Analysten einen Umsatzanstieg von zehn Prozent. Angesichts der sich normalisierenden Pappepreise ist ab 2019 jedoch eher eine Wachstumsrate um drei Prozent zu erwarten.

Trotz des steigenden Investitionsaufkommens müssen sich Anleger jedoch keine Gedanken um ihre Dividende machen. Der freie Cashflow wächst im Verhältnis stärker und lässt sogar Spielraum für weitere Dividendenerhöhungen. Die aktuelle Rendite liegt bei 2,55 Prozent.

Chance-Risiko-Verhältnis passt

Westrock ist mit einem 18er-KGV von 14 im Peergroupvergleich moderat bewertet. Charttechnisch bietet der aktuelle Rücksetzer auf den langfristigen Trend eine günstige Einstiegsmöglichkeit. Sicherlich zählt der Konzern nicht zu den wachstumsstärksten Firmen – doch Marktführerschaft und positive Makro-Trends bieten aussichtsreiche Chancen. Angesichts der behäbigen Konkurrenten und des geringen Verschuldungsgrads von 63 Prozent bleibt das Risiko gering. DER AKTIONÄR setzt das Kursziel auf 61,00 Euro.

Dieser Artikel erschien bereits in DER AKTIONÄR Ausgabe 10/2018.