Pancakes statt Demonstration: Twitter-User kapern Trumps Hashtag

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Der US-Präsident wollte einen Hashtag großmachen, um darunter seine Anhängerschaft zu versammeln. Stattdessen posteten zahlreiche Menschen Fotos von ihrem Frühstück.

Fotos von Pancakes statt Demonstrierenden, die an eine angebliche Wahlmanipulation glauben: Dafür haben am Samstag zahlreiche Twitter-User gesorgt (Symbolbild: OatmealStories/Getty Images)
Fotos von Pancakes statt Demonstrierenden, die an eine angebliche Wahlmanipulation glauben: Dafür haben am Samstag zahlreiche Twitter-User gesorgt (Symbolbild: OatmealStories/Getty Images)

Der abgewählte US-Präsident Donald Trump hält weiterhin, ohne bislang einen Beleg genannt zu haben, an seiner Behauptung der Wahlmanipulation fest. Bislang gibt es keinerlei Anzeichen, die dafür sprechen – im Gegenteil: Vergangene Woche hat die New York Times eine umfassende Recherche veröffentlicht. Darin wurden Wahl-Beobachter*innen der republikanischen und demokratischen Parteien in sämtlichen Bundesstaaten befragt.

Das Ergebnis: Die Wahl wurde nicht „gestohlen“ – das ist der Deutungsrahmen, den Trump zu setzen versucht – stattdessen ist alles mit rechten Dingen zugegangen. Die Wähler*innen haben sich gegen Trump und für Joe Biden entschieden.

Trump und die militanten Proud Boys

Trump aber versucht weiterhin, seine Anhänger*innen zu mobilisieren. Sie sollten am Samstag gegen das Wahlergebnis auf die Straße gehen. Dazu hat er mit dem „#MillionMAGAMarch“ aufgerufen: Er wollte Millionen in Washington aufmarschieren lassen, die damit ihren Unmut über den Ausgang der Präsidentschaftswahl ausdrücken sollten.

Rechtsextreme „Proud Boys“ auf dem Protest in Washington (Bild: Reuters/Jim Urquhart)
Rechtsextreme „Proud Boys“ auf dem Protest in Washington (Bild: Reuters/Jim Urquhart)

Gekommen sind dann einige Tausend. Darunter auch über hundert schwer bewaffnete Anhänger der „Proud Boys“ – einer rechtsextremen Organisation, die Trump in seiner ersten TV-Debatte gegen Biden direkt angesprochen hatte und die seither glühende Trump-Verehrer sind.

Pancakes statt Demo

Dass die Demonstration, deren Namen sich als gewaltige Übertreibung herausgestellt hat, nicht mehr Aufmerksamkeit bekommen hat – dafür hat auch das Internet gesorgt. Twitter-User haben im Vorfeld Trumps Hashtag gekapert und aus einem „Millionen-Marsch derer, die Amerika wieder groß machen wollen“ ein „Millionen-Brunch“ gemacht, der lieber Pancakes abfeiern wollte.

Ziel der Aktion war es, die sozialen Netzwerke nicht den Trump-Anhänger*innen und ihren Fotos von der Demonstration zu überlassen – und damit die Bewegung größer oder einflussreicher werden zu lassen. Stattdessen sollten sämtliche Timelines mit Pancake-Fotos geflutet werden.

Ins Leben gerufen hat den kreativen Protest Shea Depmore auf ihrem Tiktok-Kanal. In ihrem hundertausendfach geklickten Clip sagte sie vergangene Woche: „MAGA-Anhänger*innen und Proud Boys wollen beim MillionMAGAMarch in Washington aufmarschieren. Viele Menschen warnen zurecht davor, dorthin zu gehen und sich ihnen in den Weg zu stellen. Denn diese Dummköpfe sind wütend und bewaffnet. Ich will aber nicht, dass diese Proud Boys stolz sind. Deshalb werden wir einen Millionen-Pancake-Brunch veranstalten.“ Depmores Ziel: „Make America Pancakes Again“. Jeder und jede sollte unter dem Hashtag „#MillionMAGAMarch“ Pancake-Fotos, am besten mit „ganz viel Sirup“, posten.

Das Internet bruncht wohl gerne

Und das Internet hat auf sie gehört: Wer sich auf Twitter umschaut, findet unter Trumps Hashtag Fotos und Videos der Demonstration, aber auch ähnlich viele von Pancakes.

Manche hatten ihre Pancakes sogar passend beschriftet: „Biden hat gewonnen.“

Andere wollten den Demonstrierenden mit Fotos ihrer süßen Pancakes helfen, über ihre „Trauer hinwegzukommen“.

Andere wollten einfach nur sichergehen, dass niemand hungrig wird:

Video: Tausende protestieren gegen Trumps Abwahl