Pakistans Regierung ruft Armee gegen gewaltsame Islamisten zur Hilfe

Gewalt zwischen Polizisten und Islamisten in Islamabad

Nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen islamistischen Teilnehmern eines Sitzstreiks und pakistanischen Polizisten in der Hauptstadt Islamabad hat die Regierung das Militär zur Hilfe gerufen. Nach Angaben des Innenministeriums genehmigte die Regierung am Samstag den Einsatz "von genügend Soldaten", um "Recht und Ordnung" wiederherzustellen.

Zuvor war es der Polizei nicht gelungen, einen seit Tagen anhaltenden Sitzstreik von rund 2000 islamischen Hardlinern auf einer der Hauptverkehrsachsen in Islamabad aufzulösen. Der Protest schlug in Gewalt um, bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei wurde ein Beamter getötet. Mehr als 130 Menschen erlitten Verletzungen.

Die Behörden hatten lange gezögert, gegen die Sitzstreikenden vorzugehen, da sie Gewalt befürchteten. Doch angesichts des anhaltenden Verkehrschaos wuchs der Druck auf die Behörden, nicht länger untätig zu bleiben. Tausende Sicherheitskräfte versuchten daraufhin am Samstag kurz nach der Morgendämmerung, die Blockade zu beenden. Inzwischen weiteten sich die Proteste auch auf die beiden Großstädte Lahore und Karachi sowie auf eine Reihe kleinerer Städte im ganzen Land aus.

Mit der Aktion protestieren Vertreter der wenig bekannten islamistischen Gruppierung TLYRAP gegen eine von ihnen als Gotteslästerung bezeichnete Abmilderung des Eids, den Kandidaten für Wahlen leisten müssen. Nach ihren Angaben soll der Schritt eine Wahlbeteiligung der Minderheit der Ahmadis, einer seit langem verfolgten islamischen Sekte, ermöglichen. Kritiker monieren, die Untätigkeit der Regierung habe nun dazu geführt, dass ein kleinerer Konflikt sich zu einer möglicherweise gefährlichen Situation ausgeweitet habe.