Pakistans abgesetzter Premier Sharif kürt Bruder zum Wunschnachfolger

Der Bruder als Nachfolger: Shahbaz Sharif

Der abgesetzte pakistanische Premierminister Nawaz Sharif will die Macht in den Händen seiner Familie behalten. Sharif erklärte am Samstag seinen Bruder Shabaz zum Wunschnachfolger. Weil dieser vor Übernahme des Regierungsamts erst noch ins Parlament nachrücken muss, solle zunächst Ex-Ölminister Shahid Khaqan Abbasi für eine Übergangszeit die Regierung führen, sagte Nawaz Sharif in einer Rede vor Mitgliedern seiner Partei.

Es werde "einige Zeit" brauchen, bis sein Bruder das Amt des Regierungschefs antreten könne, sagte Sharif. Der jüngere Bruder des geschassten Premiers ist seit dem Jahr 2008 Regierungschef der Provinz Punjab, wo die Familie Sharif ihre Machtbasis hat. Er gilt als durchsetzungsstarker Verwalter und hat in seiner Regierungszeit mehrere große Infrastrukturprojekte in Pakistans bevölkerungsreichster Provinz angestoßen.

Premierminister kann Shabaz Sharif nur werden, wenn er Mitglied des Parlaments in Islamabad ist. Pakistans Wahlkommission machte am Samstag den Weg frei für eine Neuwahl im Wahlkreis des abgesetzten Regierungschefs, in dem dann dessen Bruder kandidieren kann.

Auch die Opposition kann im Parlament einen Kandidaten für die Nachfolge des Regierungschefs aufstellen. Sie hat aber kaum Aussichten auf Erfolg, da Sharifs PML-N die Mehrheit im Parlament stellt.

Als Platzhalter für die Sharif-Dynastie an der Regierungsspitze soll bis zur Wahl von Shabaz Sharif der 58-jährige Ex-Ölminister Abbasi dienen, der als loyaler Gefolgsmann des abgesetzten Regierungschefs gilt. Abbasi hat in den USA studiert. Er gewann bereits sechs Mal seinen Parlamentswahlkreis. Auch als Geschäftsmann reüssierte er. 2003 gründete er die Fluggesellschaft Air Blue, die als Pakistans erfolgreichste private Airline gilt.

Sharif war am Freitag vom Obersten Gerichtshof Pakistans abgesetzt worden. Zum Verhängnis wurden dem 67-Jährigen Enthüllungen aus den "Panama Papers". Diese bringen drei seiner Kinder in Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche. Seine Tochter Maryam und seine Söhne Hasan und Hussein sollen demnach Briefkastenfirmen betrieben haben, von denen nach Ansicht des Gerichts auch Nawaz Sharif profitiert haben soll.

Die mehr als elf Millionen Dokumente der Finanzkanzlei Mossack Fonseca waren im vergangenen Jahr durch einen internationalen Rechercheverbund bekannt geworden.