Wittmann macht DTM spannend - Paffett sauer auf Glock

Lokalmatador Marco Wittmann hat auf dem Norisring die DTM-Abschiedsgala von Mercedes vorläufig gestoppt und den Titelkampf erheblich zugespitzt. Der gebürtige Fürther im BMW setzte sich am Sonntag auf den Straßen Nürnbergs in einem ereignisreichen Rennen vor Mercedes-Pilot Edoardo Mortara (Italien) durch, der tags zuvor gewonnen hatte.

Dritter wurde Mortaras Markenkollege Daniel Juncadella aus Spanien.

"Es war das Rennen meines Lebens. Es ist fast so schön, wie Meister zu werden", sagte Wittmann am Sat.1-Mikrofon nach seinem ersten Norisring-Sieg im achten Versuch. Von Startplatz sieben hatte sich der zweimalige Champion durch einen frühen Reifenwechsel und mutige Überholmanöver schnell an die Spitze des Feldes gekämpft und verteidigte diese gegen die heranstürmende Mercedes-Armada bis ins Ziel.

Paffett in Gesamtwertung weiter vorne

In der Gesamtwertung bleibt der Brite Gary Paffett trotz Rang 13 am Sonntag mit 99 Punkten in Führung. Allerdings hat der Champion von 2005 nach acht von 20 Saisonrennen vier Fahrer unmittelbar im Nacken: Mortara folgt mit 93 Punkten, die BMW-Piloten Wittmann und Timo Glock  liegen jeweils nur einen Zähler dahinter. Auch der Schotte Paul di Resta (Mercedes), der am Sonntag Sechster wurde, ist mit 87 Punkten in Schlagdistanz. (SERVICE: Fahrerwertung)

Ein Heimrennen zum Vergessen erlebte Audi: Nachdem die sechs Boliden der Ingolstädter am Samstag allesamt die Top Ten verpasst hatten, landeten am Sonntag in Nico Müller (Schweiz/Siebter) und Robin Frijns (Niederlande/Achter) zumindest zwei Fahrer in den Punkten. "Es ist frustrierend, aber nicht überraschend. Wir haben diese Saison viel Boden verloren durch die Angleichung der Aerodynamik. Wir haben nicht mehr viele Schrauben zum Drehen", sagte Audi-Sportchef Dieter Gass am Samstag.

Zwischen Mercedes (fünf Saisonsiege) und BMW (drei) wird der Kampf um alle Titel vor der fünften Station im niederländischen Zandvoort (14./15. Juli) dagegen immer spannender.  (SERVICE: Rennkalender)

Glock und Paffett mit hartem Duell

Im Mittelfeld lieferten sich die Alt-Stars Glock und Paffett ein beinhartes Duell über viele Runden, das an das epische Duell vom Saisonauftakt in Hockenheim erinnerte. Im Boxenfunk beklagte sich Paffett lautstark, Glock würde ihn blockieren. Der Zweikampf kostete beide viel Zeit und wohl auch einige Punkte: Paffett wurde nur 13., Glock immerhin Zehnter. 

"Timo hat mich ständig Richtung Wand gedrückt", polterte Paffett bei Sat.1: "Es war furchtbar, heute gegen ihn zu fahren. Es war kein faires Rennen. Entweder, du nimmst den Fuß vom Gas - oder du crashst. Das ist keine Wahl."

Weichen für DTM-Zukunft gestellt

Am Samstagmittag hatte die DTM die Weichen für ihre Zukunft gestellt: Die Tourenwagenserie einigte sich mit der japanischen Super GT auf die Umsetzung des sogenannten Class-One-Reglements. Die Angleichung in beiden Serien ab 2019 sorgt nicht nur für stärkere Motoren, geringere Kosten und auf dem Papier mehr Chancengleichheit, sondern auch eine Verzahnung der beiden Tourenwagenserien: Bereits in der kommenden Saison soll es zwei gemeinsame Rennen geben. Eins in Europa, eins in Asien.

Ein Ersatz für Mercedes, das zum Saisonende die DTM verlässt, ist allerdings weiter nicht gefunden. "Wir durchleben eine schwere Zeit", sagte DTM-Chef Gerhard Berger am Samstag: "Wir müssen die Lücke füllen. Bis jetzt haben wir keine konkrete Lösung. Wir haben aber Aussichten auf 2020. Mit dem neuen Reglement werden sich viele neue Chancen eröffnen für eine stabile Zukunft."