Paddeln gegen den Klimawandel: Aktion am Neusiedler See in Österreich

Trotz der prallen Sonne nahmen rund 120 Personen an der Aktion "SOS-Paddel" am Neusiedler See in Österreich teil. Mit Booten, Kanus und Paddelbrettern legten die Teilnehmer 37 Kilometer zurück, um auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.

Die Aktion soll auf die drohende Austrocknung des Salzsees und seiner Sümpfe durch den Klimawandel aufmerksam machen. Der Neusiedler See ist der größte seiner Art in Europa und gehört zum UNESCO-Welterbe. Er wird auch als "Wiener Meer" bezeichnet und hat eine Fläche von 315 Quadratkilometern. 240 Quadratkilometer des Sees liegen in Österreich - 75 in Ungarn.

Der See, der nur eine Stunde von Wien entfernt liegt, trocknete zuletzt in den 1860er Jahren aus, wurde aber auf natürliche Weise durch Regenwasser wieder aufgefüllt. Damals zog er jedoch weder Millionen von Touristen an, noch wurden in der Region 120.000 Tonnen Getreide pro Jahr angebaut. "Den See und die Region austrocknen zu lassen, ist keine Option", sagte Landesrat Heinrich Dorner.

Um das, was er als wirtschaftliche Katastrophe ansieht, abzuwenden, setzt Dorner auf eine Reihe von Großprojekten, von denen das größte ein Kanal ist, der frisches Wasser von der Donau in Ungarn heranführen soll. Doch die Pläne stoßen auf den Widerstand von Umweltschützern, die befürchten, dass jede Einmischung den Untergang des Sees beschleunigen könnte.

Ungarn hat ein Unternehmen, das einem der reichsten Männer des Landes, Lorinc Meszaros, gehört, mit dem Bau des Kanals beauftragt, obwohl die Arbeiten nach Angaben eines Kommunalbeamten noch nicht begonnen haben. Meszaros, der Premierminister Viktor Orban nahe steht, ist bereits für ein großes Immobilienprojekt auf der ungarischen Seite des Sees verantwortlich, das den Bau eines Jachthafens, eines Sportkomplexes und eines Hotels vorsieht. Doch Aktivisten sind aus Umweltgründen und aus Angst vor Korruption gegen beides. "Das Kanalprojekt ist inakzeptabel... und wird das gesamte Ökosystem der Seenregion zerstören", sagte Katalin Rodics von Greenpeace Ungarn.

Während sich andere Seen auf natürliche Weise im Laufe von Tausenden von Jahren füllen, trocknet der flache Neusiedler See - den die Ungarn Ferto nennen - auf natürliche Weise etwa einmal pro Jahrhundert aus. Da sein salzhaltiger Grund salzliebenden Bakterien ausgesetzt ist, zersetzen sich Algen, Plankton und Schlamm, trocknen aus und werden vom Wind weggefegt. Wenn Süßwasser aus der Donau in den See gespült wird, könnte dies den Salzgehalt verdünnen und den natürlichen Prozess stoppen, sagte Bernhard Kohler vom WWF. "Das ist ein natürlicher Kreislauf", so Kohler. "Wir müssen einfach wieder lernen, damit zu leben." Doch Stadtrat Dorner betonte, dass dies keine Option sei. Neben dem Kanal will er auch eine Million Kubikmeter Schlamm ausbaggern, um den See für die Schifffahrt zu vertiefen.

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