Ousmane Dembélé, der BVB-Aktienkurstreiber


Bleibt er oder geht er? Die Spekulationen um einen möglichen Rekordtransfer von Borussia Dortmunds Shootingstar Ousmane Dembélé zum FC Barcelona wirken sich auch auf den Börsenkurs des Fußballklubs aus: Ein BVB-Anteilsschein kostete am Mittwochmittag zwischenzeitlich 6,60 Euro – so viel wie zuletzt vor 16 Jahren.

Das Papier ist bei Aktionären schon länger gefragt, die Gerüchte über den möglichen Rekordtransfer hatten die Aktie in den vergangenen Tagen noch einmal kräftig getrieben. Am Nachmittag büßte sie weite Teile ihrer Gewinne allerdings wieder ein.

Medienberichten zufolge verhandelt eine Delegation aus Barcelona mit den Verantwortlichen der Borussia über einen Wechsel Dembélés nach Spanien. Die Ablöse soll demnach zwischen 120 und 150 Millionen Euro liegen.



Für den BVB wäre der sportliche Verlust zwar immens und nicht zu kompensieren. Gleichwohl hätte der Verein, der den Franzosen im Sommer 2016 für 15 Millionen Euro von Stade Rennes verpflichtet hatte, ein finanziell höchstlukratives Geschäft erzielt. Die Aussicht auf diesen Geldregen lockt natürlich auch die Investoren.

Als einzig börsennotierter Profiklub in Deutschland muss Borussia Dortmund seine Aktionäre umgehend mit einer Ad-hoc-Mitteilung über Ereignisse informieren, die den Aktienkurs beeinflussen könnten. Dazu dürfte auch ein Millionenangebot im dreistelligen Bereich zählen. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lehnte am Mittwoch auf Anfrage des SID eine Stellungnahme ab.



In Medienberichten hieß es, eine Einigung über den Transfer des Spielers sei am Mittwoch nicht zustandegekommen. Zu sehr liegen offenbar die Preisvorstellungen auseinander: Barcelona möchte rund 100 Millionen Euro zahlen, der BVB fordert den Berichten zufolge rund 150 Millionen Euro.



Wie sich die Aktie entwickelte


Im Herbst 2000 wurden BVB-Aktien zum Stückpreis von elf Euro ausgegeben. Ein viel zu hoher Preis für einen Konzern mit vergleichsweise wenig Wachstumsperspektiven. In den Folgejahren, die den BVB an den Rand der Insolvenz brachten, rauschten die Anteilsscheine in den Keller.

Lange Jahre pendelte das Papier unter der Marke von zwei Euro, zwischenzeitlich sogar unter einem Euro. Erst mit dem sportlichen Erfolg – der BVB wurde in der Saison 2010/11 nach neun Jahren wieder Deutscher Meister – legte der Verein auch an der Börse wieder zu. Seitdem spielt der BVB regelmäßig in der Champions League, die lukrative Millioneneinnahmen garantiert.


Nicht nur auf dem Platz überzeugte der BVB seine geduldigen Aktionäre: Das im SDax geführte Unternehmen profilierte sich mit cleveren Personalentscheidungen und strategischem sowie geschicktem Marketing. In den vergangenen zwölf Monaten gewann die Aktie über 60 Prozent.

Erst im April hatte ein 28-Jähriger mit sogenannten Put-Optionsscheinen viel Geld auf einen fallenden BVB-Aktienkurs gesetzt und einen Sprengstoff-Anschlag auf den Mannschaftsbus verübt. Die Anteilsscheine verloren allerdings nur leicht an Wert.



Der BVB, der am 19. August mit einer Partie beim VfL Wolfsburg in die neue Bundesliga-Saison startet, präsentiert am 28. September die Zahlen für das Geschäftsjahr 2016/2017. Der Konzernerlös hat sich seit 2011 mehr als verdoppelt, erreichte im vergangenen Jahr einen Rekordwert von 376 Millionen Euro.

Falls der BVB eine Offerte aus Barcelona ausschlägt, dürfte der Kurs im kommenden Sommer ähnlich wie in diesen Wochen reagieren. Dembélé ist vertraglich noch bis 2021 an Dortmund gebunden. Sollte der Franzose erneut national wie international eine derart überragende Saison spielen, wird es auch im nächsten Jahr nicht an Kaufinteressenten mangeln. Möglich, dass dann auch der FC Barcelona erneut anklopft.




KONTEXT

Cies-Ranking: Shooting-Stars im Fußballmarkt 2017

10

Joshua Kimmich (FC Bayern München), 2016: 20 Millionen Euro, 2017: 60,8 Millionen Euro, Veränderung 204,00%

Quelle: Cies, Juni 2017

9

Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), 2016: 18 Millionen Euro, 2017: 73,4 Millionen Euro, Veränderung 307,78%

8

Thomas Lemar (AS Monaco), 2016: 12 Millionen Euro, 2017: 62,9 Millionen Euro, Veränderung 424,17%

7

Ousmane Dembélé (Borussia Dortmund), 2016: 15 Millionen Euro, 2017: 87,1 Millionen Euro, Veränderung 480,67%

6

Nathan Redmond (Southhampton), 2016: 9,9 Millionen Euro, 2017: 60,2 Millionen Euro, Veränderung 508,08%

5

Marcus Rashford (Manchester United), 2016: 10 Millionen Euro, 2017: 70,7 Millionen Euro, Veränderung 607,00%

4

Andrea Belotti (AC Turin), 2016: 10 Millionen Euro, 2017: 71,9 Millionen Euro, Veränderung 619,00%

3

Timo Werner (RB Leipzig), 2016: 8 Millionen Euro, 2017: 64,8 Millionen Euro, Veränderung 710,00%

2

Christian Pulisic (Borussia Dortmund), 2016: 5 Millionen Euro, 2017: 60,6 Millionen Euro, Veränderung 1112,00%

1

Kylian Mbappé (AS Monaco), 2016: Eine Million Euro, 2017: 92,6 Millionen Euro, Veränderung 9160,00%

KONTEXT

BVB: Fakten zu Borussia Dortmund

Wertvollste Spieler

Marco Reus (40 Millionen Euro), Pierre-Emerick Aubameyang (65 Millionen Euro)

Sponsoren

Trikotsponsor: Evonik, mindestens 12 Millionen Euro/Jahr, über 20 Millionen/Jahr möglich, bis 2025Ausrüster: Puma, bis 2020, sechs Millionen Euro/JahrPartner: u.a. Opel, Turkish Airlines

Kader

Marktwert des Kaders: rund 380 Millionen Euro (Mai 2017)

Quelle: transfermarkt.de

Umsatz - Konzern

2015/16 - 376 Millionen Euro2014/15 - 276 Millionen Euro2013/14 - 260,7 Millionen Euro2012/13 - 305 Millionen Euro2011/12 - 223 Millionen Euro

Gewinn nach Steuern

2015/16 - 29, 4 Millionen Euro2014/15 - 5,5 Millionen Euro2013/14 - 12 Millionen Euro2012/13 - 51,2 Millionen Euro2011/12 - 27,5 Millionen Euro

Geschäftsführung

Vorsitzender: Hans-Joachim WatzkeMitglieder: u.a. Thomas Treß (Finanzen), Michael Zorc (Sport), Carsten Cramer (Vertrieb, Marketing)

Aufsichtsrat

Vorsitzender: Gerd Pieper Die Neulinge sind: Ulrich Leitermann (Signal Iduna), Björn Gulden (Puma) und Dr. Werner Müller (RAG-Stiftung) - sowie Dr. Reinhold Lunow (Facharzt und Schatzmeister des BVB e.V.) als Ersatz für den bereits im Sommer ausgeschiedenen Friedrich Merz.

Essen und Trinken

Ein Wasser (0,5 l) kostet: 3,40 EuroEin Bier der Marke Brinkhoff´s No. 1 (0,4 l) kostet: 3,70 EuroEine Bratwurst kostet: 3,50 Euro

Quelle: Transfermarkt.de

Stadion

Name: Signal Iduna Park Sponsoring-Vertrag: bis 2021 für fünf Millionen Euro pro Jahr Fassungsvermögen: 80.645 Zuschauer

Preisstrategie

Die Geschäftsführung des BVB will die Preise für Tickets, Bier und Bratwurst "in den nächsten Jahren nicht erhöhen". Dies erklärte Geschäftsführer Watzke auf der Bilanzpressekonferenz Ende August 2016 in Dortmund. Die besondere Stadion-Kultur in Dortmund solle erhalten bleiben. Dazu zählt auch, dass bundesligaweit die Preise für Bier und Bratwurst zu den niedrigsten gehören.

KONTEXT

Neymar: Warum der Wechsel 800 Millionen Euro kostet

Rekorde, Rekorde

Ein Transfer Neymars vom FC Barcelona zu Paris Saint Germain bricht jede Menge Rekorde im Fußball. Insgesamt beläuft sich der Deal auf rund 800 Millionen Euro. Und das kommt so. Quelle: 11freunde.de

11freunde.de

Ausstiegsklausel

Die festgeschriebene Ablösesumme für Neymar beträgt 222 Millionen Euro. Das ist Weltrekord.

Sponsorendeal

Neymar flog nach Informationen brasilianischer Medien per Privatjet nach Katar, um dort mit Qatar Sports Investment einen Sponsorendeal über 300 Millionen Euro abzuschließen. Im Gegenzug wird Neymar offizieller Botschafter der WM 2022. Das ist aber nur Vorwand.

Handgeld

Qatar Sports Investment gehört zur Investorengruppe, die Paris St. Germain lenkt. Durch den Deal soll Neymar die vertraglich festgelegte Ausstiegsklausel selbst bezahlen. Rein formal müssen Spieler in Spanien dies. Bleibt immer noch ein Handgeld von 78 Millionen Euro.

Mehrwertsteuer

Auf die 222 Millionen Ablöse kommt noch die Mehrwertsteuer, macht 268 Millionen Euro.

Netto-Gehalt

Berichtet wird über ein Jahresgehalt von 30 Millionen netto.

Brutto-Gehalt

Das Netto-Gehalt bedeutet für den Klub rund 90 Millionen an Kosten, da französische Vereine den Spitzensteuersatz von 69 Prozent zahlen.

Gesamtgehalt

Der neue Vertrag läuft über fünf Jahre. Das ergibt dann ein Bruttogehalt von 450 Millionen Euro.

...plus Ablöse

Der Dealwert erhöht sich auf 718 Millionen Euro

...plus Handgeld

So ergeben sich rund 800 Millionen Euro an Kosten für den Verein.

Und was noch?

Das Handgeld für Neymars Vater, der als sein Berater fungiert, fehlt noch in der Rechnung. Und Spieler, die Barcelona im Gegenzug erhalten möchte.

Kommentar

"Dass Paris im Zuge des Financial Fair Play Spieler abgeben muss, ist unumgänglich. Und selbst dann dürfte es nahezu unmöglich sein, die Auflagen der Uefa zu erfüllen."11freunde.de