Otto-Chef Birken warnt Managerkollegen: Dürfen uns nicht davonstehlen

dpa-AFX

HAMBURG (dpa-AFX) - Alexander Birken, Chef des Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzerns Otto Group, hat seine Managerkollegen zu verantwortlichem Handeln aufgerufen. Er warnte zugleich vor einer Erosion wirtschaftlicher Freiheiten. "Das Vertrauen breiter Bevölkerungsschichten in die Wirtschaft und unser freiheitliches Wirtschaftssystem schwindet in beachtlichem Maße", sagte Birken. "Das hat klar mit den als illegal oder illegitim empfundenen Skandalen zu tun: Finanzkrise, Dieselgate oder Paradise Papers, um nur einige zu nennen."

Das könne Wirtschaftsverantwortliche nicht kalt lassen. "Wer als nicht verantwortlich wahrgenommen wird, der kann auch nicht auf freiheitlichen Spielraum pochen", erklärte der Otto-Chef. "Ich sehe die Gefahr, dass uns die Politik auch im Handel das Heft aus der Hand nimmt." Dabei müssten Unternehmen wertorientiertes Handeln nicht an der Garderobe der Globalisierung und Digitalisierung abgeben.

"Wir dürfen uns nicht davonstehlen, wenn uns eine solidarische Aufgabe wie das Textilbündnis Mühe und Geld abnötigt", forderte Birken. "Wir müssen uns öffnen, um gemeinsam mit den Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft das Tarifsystem in eine Zukunft zu führen."

Etablierte Firmen müssten sich neu erfinden und ihre Kultur massiv verändern. "Weg von starren Hierarchien und Silodenken, hin zu radikaler Offenheit, Transparenz und unternehmerischen Freiräumen an der Unternehmensbasis."

Birken steht seit Januar dieses Jahres an der Spitze der Otto Group und hat bereits zuvor als Strategie-Vorstand in dem Konzern einen Prozess des Kulturwandels angestoßen. "Wir stellen gerade unsere gesamte Hierarchiepyramide auf den Kopf", sagte er. "Nicht, um sämtliche Hierarchien abzuschaffen, aber um sie durchlässiger zu machen, deutlich agiler in der Zusammenarbeit und flexibler in unseren Prozessen zu werden."