Ott Tänak besorgt: "... dann haben wir gar keine Meisterschaft"

Jason Craig
·Lesedauer: 3 Min.

Die Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) war und ist im laufenden Jahr 2020 eine derjenigen Rennserien, deren Ablauf unter der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus am meisten gelitten hat. Von ursprünglich 14 geplanten Rallyes ist von der reinen Anzahl her gerade mal die Hälfte übrig geblieben.

Von den sieben Rallyes, die den tatsächlich gültigen WRC-Kalender 2020 bilden, haben sogar nur fünf als ursprünglich geplante das Coronajahr überstanden: Monte Carlo, Schweden und Mexiko (allesamt noch vor den ersten Absagen) sowie Türkei und Sardinien. Zwei weitere Rallyes (Estland und Monza) wurden kurzfristig neu in den Kalender aufgenommen.

Im Gegenzug wurden zehn Rallyes, die entweder ursprünglich oder aber als vorübergehender Ersatz im WRC-Kalender 2020 auftauchten, letztlich komplett abgesagt: Chile, Argentinien, Portugal, Kenia, Finnland, Neuseeland, Deutschland, Großbritannien, Japan und zu "guter" Letzt auch noch Belgien.

Tänak vermisst in der WRC eine klare Anti-Corona-Strategie

Der noch amtierende Rallye-Weltmeister Ott Tänak macht sich nun mit Blick auf die kommende WRC-Saison ernsthafte Sorgen. Im bereits veröffentlichten WRC-Kalender 2021 sind derzeit zwölf Rallyes vorgesehen. Tänak aber fürchtet, dass es weiter Absagen hageln wird, sofern man nicht mit einem entsprechenden Konzept auf die Coronasituation reagiert.

"Die aktuellen Umstände in der Welt sind extreme, aber ungeachtet dessen ist es ein Jammer, wenn ich sehe, wie andere [Motorsport-]Disziplinen in der Lage sind, einen Plan aufzustellen, um mit COVID umzugehen. Die WRC hingegen hofft irgendwie immer nur, die Events durchführen zu können", klagt Tänak im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Für welche Rallyes geht es 2021 möglicherweise den Bach runter?

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Für welche Rallyes geht es 2021 möglicherweise den Bach runter?Motorsport Images

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Rennserien, die bereits seit Monaten über umfangreich ausgearbeitete COVID-19-Sicherheitsmaßnahmen verfügen sind unter anderem Formel 1, MotoGP und nicht zuletzt NASCAR, wo man im Monat Mai diesbezüglich Vorreiter war. Genau so etwas vermisst Tänak von den WRC-Verantwortlichen und daher fürchtet der bald als amtierender Weltmeister abgelöste Este, dass die Rallye-WM im Jahr 2021 schlimmstenfalls sogar stillgelegt werden könnte.

"Für die erste Hälfte des kommenden Jahres sieht es momentan nicht grundlegend anders aus", verweist Tänak auf den jüngsten der Trend der weltweiten Coronavirus-Infektionszahlen und sieht schwarz: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann haben wir nächstes Jahr gar keine Meisterschaft."

FIA-Rallyedirektor erklärt, was es so schwierig macht

Yves Matton, Rallyedirektor beim Automobil-Weltverband FIA, versucht sich in einer verteidigenden Erklärung. "Unter den gegebenen Umständen stellt die Ausrichtung internationaler Rallye-Events eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar und verlangt eine enge Zusammenarbeit aller Parteien", sagt Matton im Gespräch mit 'Motorsport.com' und verweist damit auf die Schwierigkeit, dass Rallyes ein deutlich größeres geographisches Gebiet umfassen als eine Rundstrecke.

Yves Matton leitet die WRC-Geschicke bei der FIA und verweist auf die Problematik

Yves Matton leitet die WRC-Geschicke bei der FIA und verweist auf die Problematik<span class="copyright">LAT</span>
Yves Matton leitet die WRC-Geschicke bei der FIA und verweist auf die ProblematikLAT

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"Es liegt in der Natur von Rallyes, dass wir mit den Gemeinden, die wir besuchen, in Berührung kommen. Wir können uns ja nicht von unserer direkten Umgebung isolieren", bemerkt Matton und fügt hinzu: "Die COVID-19-Situation ändert sich ständig. Hinzu kommt noch, dass es in jedem Land und in jeder Region eigene Regeln und Restriktionen gibt, um die Pandemie zu managen."

"Das macht es schwierig, und in einigen Fällen schlicht unmöglich, eine Deadline zu setzen, ob ein Event stattfinden kann oder nicht", bittet der FIA-Rallyedirektor um Verständnis. Mit Blick auf die WRC-Saison 2021 will Matton "in Abstimmung mit allen Akteuren weiterhin pragmatisch und flexibel reagieren, sodass wir so umfassend wie möglich und gleichzeitig so sicher wie möglich weitermachen können".

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.