Osteuropa beflügelt Mittelstandfinanzierer

Die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Frankfurter Bankengruppe Procredit erzielt auf dem Balkan und in der Ukraine hohe Wachstumsraten.


Die auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierte Bankengruppe Procredit nutzt die gute wirtschaftliche Entwicklung in Osteuropa. „Vor allem unsere Banken in Bulgarien, Serbien, Kosovo und der Ukraine konnten hohe Portfoliowachstumsraten erzielen“, sagte Procredit-Vorstand Borislav Kostadinov dem Handelsblatt. „Auf Gruppenebene ist unser Portfolio an Unternehmenskrediten im Volumenbereich zwischen 30.000 Euro und drei Millionen Euro im ersten Halbjahr 2017 um 9,9 Prozent und damit stärker gewachsen, als wir erwartet hatten.“

Der im Prime Standard an der Frankfurter Börse notierte Mittelstandsfinanzierer legte im ersten Halbjahr bei den Kundenkrediten auf 3,8 Milliarden Euro zu. 90 Prozent aller Darlehen der Procredit werden kleinen und mittleren Unternehmen gewährt. Erst kürzlich korrigierte der Vorstand das Nettowachstum des Kundenkreditportfolios von auf mehr als acht Prozent nach oben.

Die Kernkapitalquote betrug zuletzt 13 Prozent.

Die Bank hat sich auf überschaubare Firmen mit guten Wachstumsperspektiven in Osteuropa und Südosteuropa fokussiert. Das Geldhaus profitiert von der besseren Wirtschaftspolitik in der Region. „Es gibt momentan für viele KMU ein investitionsfreundliches Klima in Südost- und Osteuropa. Deshalb sind wir optimistisch, dass auch das zweite Halbjahr 2017 für unsere Kunden und uns positiv verläuft“, sagte Kostadinov. Im ersten Halbjahr erzielte die Bankengruppe ein Konzernergebnis von knapp 24 Millionen Euro.

Die Volkswirtschaften im Osten sind derzeit auf Erholungskurs. Nach Einschätzung der Volkswirte der Raiffeisen Bank International wird die Wirtschaft in Bulgarien um 3,7 Prozent, in Serbien um drei Prozent und im Kosovo um 3,5 Prozent wachsen. Selbst für das Bürgerkriegsland Ukraine gibt es positive Aussichten. Nach 1,5 Prozent in diesem Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt 2018 wieder auf drei Prozent steigen.

Mit ihren guten Erfahrungen in Ost- und Südosteuropa ist Procredit nicht allein. Vor kurzem hatten die beiden österreichischen Geldinstitute, Raiffeisen Bank International und Erste Group, gute Zahlen vorgelegt und einen positiven Ausblick gegeben. Raiffeisen und Erste gehören zu den größten ausländischen Geldinstituten in Osteuropa.

Zu den größten Eigentümern der Procredit mit annähernd 3700 Mitarbeitern zählen neben der KfW mit 14,52 Prozent auch die Zeitinger Invest mit 17,48 Prozent, die 2016 aus der IPC hervorging, und die niederländische Doen Participaties mit 13,76 Prozent. Außerdem ist der Omidyar-Tufts Microfinance Fund mit annähernd fünf Prozent beteiligt. Dieser Fonds war  mit Hilfe des Ebay-Gründers Pierre Omidyar vor zwölf Jahren aus der Taufe gehoben worden.