Österreich: Entsetzen über rassistische Prüfungsfrage

In Wien mussten Studierende eine merkwürdige Prüfungsfrage beantworten. (Bild: Getty Images)

Der österreichische Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger prangert auf seiner Facebook-Seite eine Prüfungsfrage eines Kollegen an. Sie würde Ressentiments schüren und „rassistische Studenten ermuntern“.

Bei einer Prüfung sollten Studenten der Fachhochschule des bfi (Berufsförderungsinstitut, Anm.) Wien folgende Frage beantworten: „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein tschetschenischer Terrorist, und man stellt sie vor die Wahl, einen russischen Panzer in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny oder ein Kino in Moskau in die Luft zu sprengen. Was werden Sie tun? Begründen Sie Ihre Antwort in einem Satz.“

Die Prüfungsfrage stammt vom Politikwissenschaftler Michael Thöndl, der habilitierter Professor an der Universität Innsbruck sowie Fachbereichsleiter für Politikwissenschaft an der Fachhochschule des bfi Wien ist. Schmidinger schreibt über seinen Fachgenossen: „Wenn ‚Kollegen‘ solche Prüfungsfragen stellen, kann ich nicht schweigen.“

Schmidinger erläutert in seinem Posting, wie er auf die bizarre Prüfungsfrage aufmerksam wurde: „In der tschetschenischen Diaspora wird dies seit Februar auf Facebook und Twitter diskutiert und aus dieser wurde diese auch an mich herangetragen.“ Über Thöndl schreibt Schmidinger: „Unter seinen Studierenden befinden sich natürlich auch TschetschenInnen, die sich durch solche Fragen (und teilweise auch die Reaktionen von Mitstudierenden darauf) zu Recht diskriminiert fühlen.“

Schmidinger habe Thöndl eine Mail geschrieben, in der er ihm Unwissenschaftlichkeit und das Festhalten an Stereotypen vorwarf. Er sei entsetzt, dass solche Prüfungsfragen gestellt werden. Eine Antwort habe Schmidinger auf seine Mail bisher nicht erhalten.

Dezember 1994: Russische Panzer rollen im ersten Tschetschnienkrieg durch Dagestan. (Bild: Getty Images)

Gegen Ende seines Posts ordnet Schmidinger den Vorfall ein: „Für mich ist dies ein absolutes Negativbeispiel einer ressentimentgeladenen Prüfungsfragestellung, die nichts im Bildungswesen verloren hat. Wenn Politikwissenschafts-Professoren solche Prüfungsfragen geben und damit Ressentiments schüren, brauchen wir uns nicht wundern, wenn sich dann auch rassistische Studierende ermuntert und tschetschenische Studierende eingeschüchtert fühlen.“

Nachdem Schmidinger sein Posting veröffentlichte, meldeten sich offenbar mehrere Studierende, die mit Professor Thöndl auch schon negative Erfahrungen gemacht haben: „Mittlerweile wurden mir aufgrund dieses Postings auch von anderen Studierenden der FH des bfi entsprechend ähnliche Beschwerden über Prof. (FH) Michael Thöndl zugetragen. Offenbar ist das kein ‚Ausrutscher‘, sondern fühlen sich immer wieder Studierende mit Migrationshintergrund von ihm systematisch diskriminiert.“

Seit dem zweiten Tschetschenienkrieg leben etwa 30.000 Tschetschenen in Österreich, die sich oft stark ausgeprägten Vorurteilen ausgesetzt sehen.