Der "Osama BinInnen Laden des ZDF": Überraschungsgast bei Oliver Welke in der "heute-show"

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Gender-Wahn, Test-Irrsin und die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt waren die Themen der letzten "heute-show" vor der Sommerpause. (Bild: ZDF)
Gender-Wahn, Test-Irrsin und die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt waren die Themen der letzten "heute-show" vor der Sommerpause. (Bild: ZDF)

Die "heute-show" (ZDF) verabschiedete sich in die Sommerpause. Oliver Welke präsentierte zuvor noch eine todsichere Methode, um die Urlaubskasse aufzustocken. Zudem warf er einen kritischen Blick auf die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt und begrüßte zum Thema Gendern den "Osama BinInnen Laden" des ZDF.

"So einfach und unkompliziert würde ich mir meine Darmspiegelung auch mal wünschen." Moderator und Satiriker Oliver Welke sprach in der letzten Ausgabe der ZDF-"heute-show" vor der Sommerpause davon, wie "unverantwortlich einfach" es sei, ein eigenes Corona-Test-Zentrum hochzuziehen. Was man tun müsse: ein einstündiges Online-Schulungssvideo anschauen und ... fertig! Das fast logische Ergebnis: Schwarze Schafe machten mit gefakten Test-Zahlen den schnellen Reibach. Welke: "Sogar Geld drucken ist schwerer."

Einmal mehr keine Ruhmesleistung von Gesundheitsminister Jens Spahn, der - wie damals, als er überteuerte Masken einkaufte - erneut nicht auf Warnungen von eigenen Mitarbeitern gehört habe, die mahnten, die Kontrollmöglichkeiten seien unausgegoren. Welke: "Weil alle gemeckert haben 'Zu viel Bürokratie', hat der Jens seine Test-Verordnung halt mal ein wenig schneller hingehudelt." Jetzt ist's auch wieder nicht recht.

Kürzester Weg zur schnellen Kohle? "Eröffnen Sie noch heute ein Test-Zentrum", empfahl Oliver Welke in der letzten "heute-show" vor der Sommerpause. (Bild: ZDF)
Kürzester Weg zur schnellen Kohle? "Eröffnen Sie noch heute ein Test-Zentrum", empfahl Oliver Welke in der letzten "heute-show" vor der Sommerpause. (Bild: ZDF)

Heute treten keine Minister, sondern nur noch Kardinäle zurück

Aber: Die Apotheker halten zu ihrem Jens, jedenfalls Matthias Matschke, der Vorsitzende des laut Welke einzigen Jens-Spahn-Fanclubs. "Wir haben genug Bedenkenträger und Sesselpupser. Der Jens ist halt ein Macher: Erst mal machen und dann fragen, was es kostet." Täglich bete er, wohl auch stellvertretend für den ganzen Berufsstand, für den Gesundheitsminister - auch aus weltlichen Gründen: "Wir haben uns an den Masken dumm und dämlich verdient. Und ich steh dazu!" Welke wurde dagegen wehmütig: "Ganz früher wären Minister in so einem Fall vielleicht auch mal zurückgetreten. Aber das machen heute ja nur noch Kardinäle."

Mit Sorge blickte der Moderator auch auf die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt, der "letzte große Stimmungstest vor der Bundestagswahl". Da tritt Ministerpräsident Reiner Haselhoff (CDU) am Sonntag an, nicht nur um seinen Posten, sondern auch Kanzlerkandidat Armin Laschet und die ganze CDU zu retten, so Welke. Haselhoff hat's schwer, weil sogar die eigenen Ost-CDU-Leute Laschet nicht mögen und sich "lieber Merz, Söder - oder irgendjemand außer Armin" gewünscht hätten. Welke glaubt: "Der Armin hat im Osten eine sehr überschaubare Fanbase."

Nix Neues beim Testen? Doch - neuer Ärger für Jens Spahn! Oliver Welke: "Der hat sich einiges anhören müssen." (Bild: ZDF)
Nix Neues beim Testen? Doch - neuer Ärger für Jens Spahn! Oliver Welke: "Der hat sich einiges anhören müssen." (Bild: ZDF)

"Für ein Viertel ist es normal, Rechtsextreme zu wählen"

Die der AfD scheint zumindest größer zur sein: Bei 24 Prozent lag die Partei in den letzten Umfragen. Welke stellte konsterniert fest: "Für ein Viertel ist es also normal, Rechtsextreme zu wählen!" Die Frage, so der Moderator, sei, ob die AfD so viele Fans habe, obwohl oder weil sie sich immer mehr radikalisiere.

Gast-Satiriker Christian Ehring fand, man solle, was die Ostthematik angehe, miteinander statt übereinander reden. "Wir dürfen mit dem Ostdeutschen nicht wie mit einem Problembären reden". Die Tatsache, dass im Kabinett kein einziger Ostdeutscher vertreten sei (außer - noch - der Kanzlerin), sei nicht zu beschönigen: "Kein Ostdeutscher! Dafür aber drei aus dem Saarland, diesem Franzosenpuff, diesem legendären Inzuchtgebiet." Trotzdem riet er, das Positive in Sachsen-Anhalt zu sehen: "Die Luftpumpe wurde 1649 in Magdeburg erfunden! Und 75 Prozent des deutschen Majorans stammen von hier." Und schließlich: Drei Viertel, das sind fast so viele, so Ehring, wie die, die in Sachsen-Anhalt eben nicht AfD wählen wollten.

Schneller Reibach für gewiefte Kleinkriminelle: das eigene Test-Zentrum und gefakte Abrechnungen. (Bild: ZDF)
Schneller Reibach für gewiefte Kleinkriminelle: das eigene Test-Zentrum und gefakte Abrechnungen. (Bild: ZDF)

Petra Gerster: "Ich habe mich ans Gendern gewöhnt"

Reiner Haselhoff böten sich jedenfalls fast betäubend kuriose Koalitionsmöglichkeiten. Welke: "'Simbabwe' zum Beispiel. Also CDU mit SPD, Grünen und FDP." Für realistisch hielt er das aber nicht: "Um sich derlei vorzustellen, muss man wohl Drogen aus Simbabwe nehmen."

Auch im Wahlkampf ein leidiges Thema: das Gendern. "Was für eine entgleiste und hysterische Diskussion", stellte Welke fest. "Empörte" wie strikte Gendergegner, darunter Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß oder AfD-Politikerin Beatrix von Storch (Welke: "Lady Gendergaga") wähnen Deutschland in der "Genderdiktatur". Als "Genderterroristin" wurde Petra Gerster bezeichnet. Die vor Kurzem bei "heute" verabschiedete Journalistin empfing Welke als Studiogast (oder Gästin?) mit den Worten: "Sie sind quasi der Osama BinInnenLaden des ZDF." Sie habe früher auch nicht gegendert, aber "man gewöhnt sich daran", ließ die Autorin wissen, die online wie digital diverse unschöne Nachrichten und von enttäuschten Lesern auch schon mal ihre Bücher zurückgeschickt bekommen habe. "Wie schön, dass die ja schon gekauft worden sind", meinte Welke trocken.

Der "heute-show"-Moderator bekannte selbst(ironisch): "Ich gendere nicht, weil das meine ansonsten unglaublich elegante Sprachführung stört." Aber er habe mit dem Gendern kein Problem. Und die Mehrzahl der Deutschen auch nicht: 65 Prozent seien zwar gegen das Gendern, allerdings sei auch eine Mehrheit gegen ein Verbot des Genderns in Behörden.

Am Sonntag ist Wahl in Sachsen-Anhalt: Kann Ministerpräsident Haselhoff sich, Armin Laschet und die ganze CDU retten? (Bild: ZDF)
Am Sonntag ist Wahl in Sachsen-Anhalt: Kann Ministerpräsident Haselhoff sich, Armin Laschet und die ganze CDU retten? (Bild: ZDF)

Genderwunschtraum von Sven? "Dann werd' doch Nutter!"

Viel zu viel Lärm um wenig? Welke: "Sprache entwickelt sich. Was die Menschen nicht annehmen, wird sich auch nicht durchsetzen, das funktioniert nicht mit Zwang." Wie ausufernd die Streitkultur verläuft, demonstrierte Birte Schneider, die Gender-kritische, zum Teil hasserfüllte, Posts als Prosa (zu elegischen Harfenklängen) verlas. Der Höhepunkt: "Was ist mit generischen Femininum? Was mit Diva, Politesse, Nutte, Schlampe? Dann will ich auch Nutter!", zitierte die Komikerin den User Sven AM. Schneider: "Wenn das dein Traum ist, lieber Sven, dann werd' doch Nutter: Kauf dir einen Wohnwagen und stell dich an die B 9, es ist ein freies Land."

Apropos frei. Das (vorläufige) Ende der Einschränkungen durch die Pandemie könne manchen zu viel sein. Autor Friedemann Weiese gab jedenfalls Tipps für Leute, die Startprobleme auf der Reise "Zurück in die Normalität" haben. Zum Beispiel für jene, die nicht wissen, wie man sich richtig begrüßt, wenn man wieder Menschen treffen darf. Weise empfahl die "Grußbauernregeln des RKI": "Der Erstgeimpfte nimmt den Fuß, der Durchgeimpfte Hand zum Gruß." Oder "Bist du von Covid frisch genesen, klopf zur Begrüßung auf den Tresen."

Na, dann Prost. Am 10. September meldet sich die "heute-show" aus der Sommerpause zurück.

"Überschaubare Fanbase im Osten": Die CDU-Leute im Osten hätten sich Merz oder Söder gewünscht. "Oder irgendwen außer Armin", so Welke. (Bild: ZDF)
"Überschaubare Fanbase im Osten": Die CDU-Leute im Osten hätten sich Merz oder Söder gewünscht. "Oder irgendwen außer Armin", so Welke. (Bild: ZDF)