Orpea-Skandal gibt ausländischen Schuldschein-Emittenten schlechten Ruf

(Bloomberg) -- Nach dem Skandal um den französischen Pflegeheimbetreiber Orpea SA keimt bei Investoren Skepsis gegenüber Schuldschein-Emittenten von außerhalb Deutschlands auf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter 15 Inhabern von Orpea-Schuldscheinen, die mit hohen Verlusten rechnen müssen. Das kriselnde Unternehmen hatte ihnen nur die Option eingeräumt, ihre Papiere in Aktienanteile umzutauschen.

Viele Investoren sind sich zwar einig, dass Anleger nach wie vor auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Credit-Investments mit attraktiven Spreads sind. Einige erwägen jedoch, ihre bestehenden Bestände an Schuldscheinen ausländischer Firmen zu veräußern, um ein weiteres Debakel zu vermeiden.

“Der Fall Orpea könnte ziemlich starke Auswirkungen auf internationale Investoren haben, die involviert waren und in Zukunft gegenüber Emittenten aus diesem Teil Europas vorsichtiger sein könnten”, erklärte Paul Kuhn, Leiter des Bereichs Debt Capital Markets Origination bei der Bayerischen Landesbank.

Ausländische Investoren haben am Schuldscheinmarkt an Bedeutung gewonnen. Bei den meisten der großen Deals in diesem Jahr gaben sie den Löwenanteil des Geldes. Beispiel Etex NV: Als der belgische Baustoffhersteller im Juni einen Schuldschein über 800 Millionen Euro begab, ging das Papier an rund 30 asiatische und europäische Banken und Versicherungsgesellschaften. Bei einer 650 Millionen Euro schweren Emission der Schweizer SIG Group im Juli war der Investorenmix ähnlich.

Französische Unternehmen waren in diesem Jahr die aktivsten ausländischen Schuldscheinemittenten. Unter anderem zapften das Videospielunternehmen Unisoft Entertainment SE und der Autozulieferer Valeo den Markt an.

Bei Orpea machen Schuldscheine den Großteil der unbesicherten Verbindlichkeiten aus, die größtenteils von Kreditgebern außerhalb Frankreichs gehalten werden. Etwa die Hälfte des 1,7 Milliarden Euro schweren Schuldschein-Volumens der Gruppe entfällt auf asiatische Banken, wie die Umfrageteilnehmer berichten. Den Rest der Papiere halten Institute aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Orpea wird vorgeworfen, auf Kosten der Pflegeheimbewohner Gewinne machen zu wollen. Ein Buch mit dem Titel “Die Totengräber” hat die Topmanager des Konzerns an den Pranger gestellt. Das Unternehmen will derzeit ein Mittelvolumen von 2,1 Milliarden Euro zu beschaffen. Seinen Gläubigern hat der Pariser Konzern indessen vorgeschlagen, unbesicherte Schuldverschreibungen im Volumen von 3,8 Milliarden Euro in Aktien umzuwandeln, was mit enormen Wertabschlägen einher ginge.

“Es ist im besten Interesse der Kreditgeber, die Schulden in Eigenkapital umzuwandeln”, sagte CEO Laurent Guillot einem Gläubiger während einer Fragestunde am 15. November. “Wenn das nicht möglich ist, was ich für unwahrscheinlich halte, dann gibt es nach französischem Recht andere Mechanismen, die dies irgendwie erzwingen können.”

Die Schuldscheine von Orpea haben 75% ihres Nennwerts verloren, seit das Unternehmen im Oktober auf eine Schuldenumstrukturierung drängte. Zeitweise hatten sie sogar nur bei 15% notiert. Nachdem die Umschuldungspläne vorgelegt wurden, erholten sich die Paiere vergangene Woche immerhin auf 25% des Nennwerts.

Überschrift des Artikels im Original:German Debt Lenders Could Shun Foreign Issuers After Orpea Saga

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