Orkan „Friederike“: Scharfe Kritik an Behörden und Medien

In mehreren Bundesländern wurde der Zugverkehr am Donnerstag komplett eingestellt. (Bild: Getty Images)

Nach dem verheerenden Sturmtief „Friederike“ äußern Jörg Kachelmann und andere Meteorologen ihren Unmut darüber, wie auf die vorhersehbare Naturkatastrophe reagiert wurde. Die Menschen seien vorher nicht ausreichend gewarnt worden – deswegen seien nun auch Tote zu beklagen.

Es war der stärkste Orkan seit elf Jahren: Mindestens acht Menschenleben forderte das Sturmtief „Friederike“, das am Donnerstag über weite Teile Deutschlands fegte. Dabei hätten Tote eventuell vermieden werden können – hätten Behörden und Medien anders reagiert. Das zumindest glauben einige prominente Wetter-Experten.

Meteorologe Jörg Kachelmann wirft vor allem den öffentlich-rechtlichen Sendern Heuchelei vor. Auf Twitter kritisierte er insbesondere die Berichterstattung des WDR: „Nun kommt die Zeit, wenn abends die Fernsehsender, die nichts dafür getan haben, dass Tote verhindert wurden, in ihren Sondersendungen so tun, als ob das anders war und womöglich andere Leute fragen, warum sie nicht besser gearbeitet haben.“


Kachelmann kann die Entscheidung, dass eine Brennpunkt-Sendung zum Sturm erst am Donnerstagabend ausgestrahlt wurde, als „Friederike“ bereits stundenlang tobte, nicht nachvollziehen. Eine solche Sendung hätte am Tag vorher stattfinden müssen, um die Bevölkerung zu warnen und über Schutzmaßnahmen aufzuklären.

Wetter-Experte Jörg Kachelmann kritisiert, die Medien hätten zu spät konkrete Sturmwarnungen ausgesprochen. (Bild: ddp Images)

Bereits vor dem Sturm äußerte der prominente Wetter-Experte Kritik am Vorgehen von Behörden, Schulen und Arbeitgebern: „In zivilisierten Ländern wäre heute den Kindern und Eltern gesagt worden, dass morgen in den betreffenden Gebieten kein Schulunterricht ist. […] In sozialen Marktwirtschaften hätten Arbeitgeber heute ihren Arbeitnehmern gesagt (wo immer möglich), dass morgen Homeoffice ist.“


Mit seiner Kritik steht der prominente Wetter-Experte nicht alleine da. Auch Dominik Jung vom Wetterportal „wetter.net“ kann den Umgang der Behörden nicht nachvollziehen: „Dass der Sturm kommt, war seit Tagen klar (wir berichteten). Daher ist es unverantwortlich, dass heute Vormittag die Behörden in zahlreichen Städten (z.B. Düsseldorf) unmittelbar vor Ankunft des Sturmfelds haben Schulen schließen lassen und die Schülerinnen und Schüler nach Hause schickten und damit genau zum Zeitpunkt der stärksten Sturmböen“, erklärte der Diplom-Meteorologe.

Der Experte fügte hinzu: „Es wäre ein Leichtes gewesen, bereits am Vortag den Schulbetrieb abzusagen, damit die Schülerinnen und Schüler erst gar nicht den Weg durch den Sturm auf sich nehmen müssen. Viele kommen nun erst gar nicht mehr nach Hause, da die Bahn ihren Betrieb ebenfalls weitgehend eingestellt hat. Hier fehlt es offenbar massiv an Absprachen zwischen den Behörden und Wetterdiensten.“

Wegen des Sturmtiefs „Friederike“ musste unter anderem der Zugverkehr in drei Bundesländern eingestellt werden – neben Nordrhein-Westfalen auch in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Am Freitag nach dem Orkan meldete die Deutsche Bahn über 200 beschädigte Streckenabschnitte. Im Osten des Landes waren 65.000 Haushalte zeitweise ohne Stromversorgung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert den entstandenen Schaden auf 500 Millionen Euro.