Organspende: Baby braucht neues Herz – in Deutschland ist das ein Todesurteil

Anna Rinderspacher

Ein Schmetterling sitzt auf der Wange der einjährigen Aria. Das Kind lacht, seine Augen leuchten. Sie gluckst und streckt die Arme aus. Sie wackelt mit Armen und Beinen. Am liebsten würde sie mit ihren Brüdern auf der Wiese um die Wette rennen. 

Doch das geht nicht.

Aria befindet sich im Krankenhaus. Die Kleine wird über eine Magensonde ernährt. Das schmetterlingsförmige Pflaster auf ihrer Wange fixiert den Schlauch, der dem Kind durch die Nase flüssige Nahrung zuführt.

Ein Schmetterling, das passt zu dem kleinen Mädchen, das so vielen Menschen Freude bringt, aber selbst so wahnsinnig zerbrechlich ist.

Aria Draffin braucht ein neues Herz.

Aria braucht dringend ein neues Herz

Der 13. November 2017 ist ein Tag, den Aria Draffins Familie wohl nie vergessen wird. Am Nachmittag fängt das damals fünf Monate alte Kind an zu weinen. Sie lässt sich nicht beruhigen, wird kalt und blass. Dann hört ihr Herz auf zu schlagen.

Arias Großvater Martin Gruber befindet sich im Nebenzimmer, als er die verzweifelten Schreie seiner Tochter Sabrina hört. Er eilt zu ihr ins Wohnzimmer und findet die junge Mutter mit ihrem leblosen Kind im Arm.

Gruber beginnt seine Enkeltochter zu reanimieren. Das schlimmste an dem Vorfall sei die Viertelstunde des Wartens auf den Rettungswagen gewesen, wird er später sagen. 

Im Krankenhaus erfährt die Familie: Aria wurde mit einem Herzfehler geboren. Ihre linke Herzklappe ist größer als ihre rechte. Dadurch kommt es zu Unregelmäßigkeiten bei der Blutversorgung – dilatative Kardiomyopathie (DCM) nennt sich die Erkrankung.

In Deutschland sind etwa 6 von 100.000 Menschen von DCM betroffen. Innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Diagnose versterben 85 bis 90 Prozent der Patienten. Häufig sind die Folgen der Herzschwäche oder ein...

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