Oppositionsnahe Richter aus Venezuela finden Zuflucht in Santiago de Chile

Vier oppositionsnahe Richter aus Venezuela haben am Donnerstag in Chile politisches Asyl erhalten. Der chilenische Außenminister Heraldo Muñoz sagte beim Empfang der Richter, Chile sei "das Land der Asylbewerber". Er fügte hinzu, dass Chile sein "Engagement zur Wiederherstellung der demokratischen Ordnung in Venezuela" fortsetze.

Die Richter, drei Frauen und ein Mann, hatten im August Schutz in der chilenischen Botschaft in Caracas gesucht. Sie begründeten ihren Schritt damit, dass die Regierung von Präsident Nicolás Maduro sie verfolge. Zwei Monate später setzten sie sich nach Kolumbien ab. Ein weiterer Richter, der sein Flugzeug verpasste, wurde im Lauf des Tages ebenfalls in der chilenischen Hauptstadt erwartet.

Die fünf gehören zu einer Gruppe von 33 Richtern, die dem von der Mitte-rechts-Opposition gebildeten, parallelen Obersten Gerichtshof angehören. Einige Richter wurden in Venezuela inhaftiert und legten später ihre Ämter nieder, andere befinden sich im Exil in Kolumbien oder in Panama.

Chile und zehn weitere lateinamerikanische Länder sowie Kanada hatten bei einem Sondertreffen in Lima im August einmütig einen "Bruch der demokratischen Ordnung" in Venezuela verurteilt. Die Lima-Gruppe tritt in den kommenden Wochen in Kanada zusammen, um über die Lage in Venezuela zu beraten.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Staatschef Maduro und der Mitte-Rechts-Opposition. Die Opposition macht den Präsidenten für die wirtschaftliche Misere in dem ölreichen Land verantwortlich.

Viele Venezolaner sind aber auch von der Opposition enttäuscht. Die Proteste zwischen April und Juli, bei denen 125 Menschen getötet wurden, haben nichts an der politischen Lage im Land geändert